Rund 9’000 Tonnen Bio Kakao und ein grosser Teil davon innerhalb weniger Wochen: Die Haupternte 2026 war für YACAO und FUNDOPO in mehrfacher Hinsicht aussergewöhnlich. Während sich im Osten der Dominikanischen Republik die Kakaoplantagen nach den Zerstörungen durch Hurrikan Fiona vor vier Jahren sichtbar erholen, waren die neuen Verarbeitungskapazitäten bei YACAO bereits in ihrer ersten Haupternte stark gefordert. Gleichzeitig zeigt die diesjährige Ernte, dass eine Rekordmenge für die Kleinbauernfamilien nicht automatisch bessere wirtschaftliche Bedingungen bedeutet.
Jun 17, 2026
Rekordernte in der Dominikanischen Republik
Die Dominikanische Republik blickt auf ein aussergewöhnlich starkes Kakaojahr zurück. Auch bei YACAO und der Kleinproduzentenorganisation FUNDOPO kam eine enorm grosse Menge Bio Kakao zusammen, die das bereits hohe Vorjahresniveau nochmals übertraf. Auch auf Landesebene zeichnet sich ein Rekordjahr ab.

Während der intensiven Haupternte waren die Trocknungsflächen bei YACAO stark gefordert …

… auch die überdachten Trocknungsanlagen waren komplett ausgelastet.
Aussergewöhnlich war dabei nicht nur die Menge, sondern auch der zeitliche Verlauf: Während sich die Haupternte normalerweise über rund zwanzig Wochen verteilt, konzentrierte sich in diesem Jahr ein grosser Teil auf einen Zeitraum von lediglich vier bis acht Wochen. In den Verarbeitungszentren kam dadurch innerhalb sehr kurzer Zeit wesentlich mehr Kakao an als üblich. Die für Fermentation, Trocknung, Lagerung und Logistik zuständigen Teams waren entsprechend stark gefordert, diese Spitzen zuverlässig zu bewältigen.
Ein wichtiger Grund dafür, dass YACAO die hohen Mengen übernehmen konnte, war die ausreichende finanzielle Liquidität während der Haupternte. Sie ermöglichte es, die angelieferten Mengen auch während der besonders intensiven Wochen kontinuierlich anzukaufen und den Kleinbäuerinnen und Kleinbauern damit eine verlässliche Abnahme ihrer Ernte zu bieten.
Mehrere Faktoren hinter der Rekordernte
Hinter der hohen Erntemenge stehen mehrere Entwicklungen, die sich in den vergangenen Jahren auf den Kakaoparzellen vollzogen haben. Besonders deutlich zeigt sich das im Osten der Dominikanischen Republik, wo Hurrikan Fiona im September 2022 auch in der Landwirtschaft erhebliche Schäden angerichtet hatte. Vier Jahre später sieht FUNDOPO einen merklichen Aufschwung.

«Was uns besonders freut, ist, dass die Erholung nach Fiona nun endlich sichtbar wird. Im Osten produzieren wir inzwischen wieder mehr als zuvor.»
Wilder Ñahui, Geschäftsführer von FUNDOPO
Viele Produzentenfamilien haben in den vergangenen Jahren zudem ihre Kakaobestände erweitert und verbessertes Pflanzenmaterial eingesetzt. Insbesondere die hohen Kakaopreise gaben ihnen einen Anreiz, neue Bäume zu setzen und weitere Flächen zu nutzen. Diese Entwicklungen spiegeln sich inzwischen auch in den Erntemengen wider.
Auch die Pflanzengesundheit spielt eine erwähnenswerte Rolle: Nach Angaben von FUNDOPO sind die Parzellen ihrer Mitglieder praktisch frei von den beiden Pilzerkrankungen Monilia und Hexenbesen, die den Kakaoanbau in anderen Ursprungsländern wesentlich beeinträchtigen können.
Rund 9’000 Tonnen in wenigen Wochen
Für YACAO bedeutete die starke und gleichzeitig sehr konzentrierte Ernte vor allem eines: Die kürzlich geschaffenen logistischen Zusatzkapazitäten mussten sich praktisch sofort bewähren.
In Navarrete kamen die erweiterten Trocknungsmöglichkeiten erstmals unter hoher Auslastung zum Einsatz. Gerade bei fermentiertem Hispaniola-Kakao ist dieser Verarbeitungsschritt entscheidend. Nach der Fermentation benötigen die Bohnen ausreichend Zeit und Platz zum Trocknen. Bei grossen Erntespitzen kann sonst schnell ein Engpass entstehen. Ausreichende Trocknungskapazitäten sind deshalb nicht nur für die Qualität des Kakaos wichtig, sondern auch für eine reibungslose Weiterverarbeitung der grossen Mengen.

Nach der Trocknung: Kakaobohnen in Big Bags, bereit für den Export
Eine zentrale Rolle während der Erntespitze spielte auch das neue Exportzentrum bei Santo Domingo Norte. Dort werden die Mengen aus den verschiedenen Verarbeitungszentren zusammengeführt, gereinigt, klassifiziert und für den Export vorbereitet. Die Logistik vom Exportzentrum bis zum Hafen verlief trotz der hohen Mengen grösstenteils reibungslos.
Zusätzliche Kapazitäten allein reichen bei einer solchen Ernte allerdings nicht aus. Am Ende sind es die Mitarbeitenden in den Verarbeitungszentren, die auch an besonders intensiven Tagen dafür sorgen, dass die einzelnen Schritte gut ineinandergreifen. Deshalb investierte YACAO parallel in Schulungen zu Fermentations- und Trocknungsprozessen.
Im Management haben Michael Vogel und Yves Kubli die Zuständigkeiten klar untereinander aufgeteilt und stimmen sich eng miteinander ab. Gerade während der diesjährigen Ernte zeigte sich, wie wichtig eingespielte Abläufe und kurze Entscheidungswege sind.
«Die Ernte kam dieses Jahr sehr konzentriert. Die zusätzlichen Kapazitäten bei Verarbeitung und Lagerung haben sich unmittelbar bewährt. Ich bin sehr stolz auf das, was unsere Mitarbeitenden während der Erntespitze geleistet haben. Dank des unermüdlichen Einsatzes aller Beteiligten und des guten Zusammenspiels mit den unterstützenden Bereichen konnten wir die hohen Mengen in kurzer Zeit zuverlässig verarbeiten.»
Michael Vogel, CFO YACAO

Rekordernte heisst nicht automatisch bessere Rahmenbedingungen
Für viele Kleinproduzentenfamilien brachte die Rekordernte dennoch keine entsprechend besseren wirtschaftlichen Bedingungen. Eines der Risiken der hohen Volatilität im Kakaomarkt zeigte sich während der Haupternte: Ausgerechnet zwischen April und Juni, als die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern besonders viel Kakao zu verkaufen hatten, sank der Weltmarktpreis, während die Kosten für Arbeitskräfte bei Pflege, Baumschnitt und Ernte laut FUNDOPO weiterhin hoch blieben. Die Einnahmen pro Kilogramm gingen damit zurück, der Aufwand auf den Parzellen blieb allerdings unverändert.
Zusätzlich wächst der administrative Aufwand für Dokumentation und Zertifizierung. Geodaten müssen erfasst und gepflegt werden, um die Nachweispflichten im Rahmen der EU-Verordnung über entwaldungsfreie Lieferketten (EUDR) zu erfüllen. Hinzu kommen aufwendige Zertifizierungsprozesse für Bio und Fair Trade. So bringt beispielsweise die neue EU Bio Verordnung zusätzliche Anforderungen für Kleinproduzentengruppen mit sich. Für FUNDOPO und ihre Mitglieder bedeutet dies zusätzliche Arbeit und einen höheren Ressourceneinsatz. Angesichts der wachsenden Anforderungen hat auch YACAO die personellen Kapazitäten im Zertifizierungsbereich verstärkt.

Im direkten Austausch mit den Kleinproduzenten auf ihren Kakaoparzellen

Digitale Dokumentation vor Ort – ein wichtiger Teil der Rückverfolgbarkeit

Kleinbäuerinnen und Kleinbauern an einer Sammelstelle für Bio Kakaobohnen
Die aktuelle wirtschaftliche Situation hilft nicht dabei, eine der langfristigen Herausforderungen zu entschärfen: «Das Durchschnittsalter unserer Kleinproduzentinnen und Kleinproduzenten liegt inzwischen bei über 60 Jahren, und es wird immer schwieriger, Menschen zu finden, die die Arbeit auf den Parzellen übernehmen wollen», erklärt Wilder Ñahui. Der Generationenwechsel wird damit zunehmend zu einer zentralen Herausforderung für die kleinbäuerliche Bio Kakaoproduktion.
Qualität bleibt im Fokus
Die zusätzlichen Kapazitäten und die bisherigen Qualitätsresultate deuten darauf hin, dass die eingeschlagenen Massnahmen punkto Bohnenqualität Wirkung zeigen. Aufgrund der hohen Mengen an Hispaniola-Kakao sind unsere Sensorik-Kapazitäten im Labor derzeit stark gefordert. Nun gilt es, die Qualitätsentwicklung genau zu beurteilen und die Erkenntnisse zeitnah an die Verarbeitungszentren zurückzumelden. Gleichzeitig geht es darum, die erreichten Verbesserungen zu festigen und die Abläufe über die verschiedenen Zentren hinweg möglichst konstant zu halten.

Bei der sensorischen Prüfung werden Qualität und Aromaprofil der Kakaobohnen beurteilt.

Beim Schnitt-Test zeigt sich, wie gut die Bohnen fermentiert sind.

In regelmässigen Schulungen werden Erfahrungen und Wissen zu Themen wie der Fermentation ausgetauscht.
YACAO will gezielt weiter am Know-how arbeiten. Geplant sind Schulungen zu Fermentation, Qualitätsanalyse und Laborarbeit, um die Prozesse weiter zu vereinheitlichen und die Qualitätskontrolle zu stärken.
Die Aussichten für die kommende Kleinernte sind derzeit eher verhalten. Nach der Rekordhaupternte wird mit geringeren Mengen gerechnet; auch grössere Produzenten vor Ort erwarten eine unterdurchschnittliche Kleinernte. Aufgrund der vergleichsweise geringen Niederschläge der vergangenen Wochen könnte sich der Erntestart zudem um einige Wochen verzögern. Positiv stimmen die vorhandenen Verarbeitungskapazitäten. Die laufende Hurrikansaison bleibt jedoch ein weiterer Unsicherheitsfaktor.
Unsere Partner in der Dominikanischen Republik
Mit dem direkten Bezug bei langjährigen Partnern schaffen wir Transparenz und garantieren eine vollständige Rückverfolgbarkeit über die ganze Lieferkette. Unsere Tochterfirma YACAO versorgt uns seit über 25 Jahren mit hochwertigem Bio und Fair Trade Kakao aus der Dominikanischen Republik. Das Team von YACAO übernimmt den Einkauf, die Fermentation und Trocknung, die Qualitätskontrolle sowie den Export der Kakaobohnen. Dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit der im Jahr 2000 gegründeten Kleinbauernorganisation FUNDOPO. Als Abnehmerin der gesamten Ernte sind wir eine verlässliche Partnerin für die über 3’800 angeschlossenen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern.

