Ob Vorgaben zu entwaldungsfreien Lieferketten oder neue EU Bio Verordnung: Kleinbauern-Kooperativen im globalen Süden sehen sich mit einer wachsenden Zahl regulatorischer Anforderungen konfrontiert, die sie zusätzlich zum operativen Tagesgeschäft erfüllen müssen. Seit 2022 hilft ihnen die Software abunda+ dabei, farmbezogene Daten strukturiert zu dokumentieren, Anbauflächen zu georeferenzieren sowie Kontrollprozesse effizient abzubilden. Die Anwendung wird stetig weiterentwickelt und hat sich mittlerweile auch über den Kakaosektor hinaus bewährt.

Jan 28, 2026

abunda+: Smarte Software zur Digitalisierung

Mit dem Entwicklungsauftrag an abunda+ reagierte PRONATEC vor vier Jahren auf steigende Anforderungen an die Erfassung und Dokumentation von Anbauflächen sowie an die Abbildung interner Kontrollsysteme, kurz ICS (engl. «internal control systems»). Neben einer Unterstützung für Bio und Fair Trade Zertifizierungen stand von Beginn an auch die Vorbereitung auf die Vorgaben der EU-Verordnung über entwaldungsfreie Lieferketten (EUDR) im Fokus. Ziel war es, den Kooperativen eine Software zur Verfügung zu stellen, die Prozesse vereinfachen, Daten zentral speichern und eine digitale Grundlage für interne Kontrollen sowie externe Prüfungen liefern kann.

«Damals gab es keine ICS-Software auf dem Markt, die all diese Bedürfnisse abgedeckt hätte», erzählt Patricia Martínez Rios, Client Manager bei abunda+, «so entstand die Idee, ein eigenes, massgeschneidertes Tool zu entwickeln.» Besonders wichtig dabei: Das System sollte technisch leistungsfähig und einfach zu bedienen sein. Gleichzeitig sollte es für Kooperativen jeder Grösse erschwinglich bleiben, damit auch kleinere Organisationen von den Vorteilen eines digitalen Kontrollsystems profitieren können.

Patricia Martínez Rios, Client Manager bei abunda+ seit der ersten Stunde

ICS als Grundlage für Zertifizierungen

Ein funktionierendes internes Kontrollsystem ist für Kooperativen zentral, um Zertifizierungen zu erhalten und ihre Mitglieder zuverlässig zu begleiten. Bevor ein Audit durch eine externe Kontrollstelle stattfinden kann, müssen die Kooperativen im Rahmen interner Inspektionen – den sogenannten Vor-Zertifizierungen – bei allen Mitgliedern umfassende Daten erheben. Dabei wird für jeden einzelnen Kleinproduzenten dokumentiert, ob die erforderlichen Kriterien erfüllt sind und alle Nachweise vollständig vorliegen. Erst auf dieser Grundlage kann der offizielle Zertifizierungsprozess beginnen, bei dem nur noch Stichproben durchgeführt werden.

abunda+ als Arbeitsgrundlage:

Bei Kontrollen greifen Kooperativen aktiv auf das Tool zurück …

… um Fragen externer Auditorinnen und Auditoren zu beantworten.

Die Software abunda+ wurde entwickelt, um alle relevanten Daten und Bedingungen systematisch digital abzubilden und über Jahre hinweg vergleichbar zu machen. Die mobile App ermöglicht es den internen Inspektoren, Parzellendaten und Kontrollpunkte direkt im Feld zu erfassen, und zwar auch ohne Internetverbindung. Fotos, GPS-Koordinaten und Antworten aus integrierten Checklisten werden automatisch den jeweiligen Mitgliedern zugeordnet und später in eine zentrale Datenbank übertragen. Damit ersetzt abunda+ Prozesse, die früher papierbasiert oder mit unübersichtlichen Excel-Strukturen organisiert waren.

Für die Kooperativen ist dies eine immense Arbeitserleichterung bezüglich Übersicht und Nachvollziehbarkeit: Neben grundlegenden Parzellendaten lassen sich auch Beobachtungen zu Kulturen, Tieren oder Nachbarflächen dokumentieren. Eine Checkliste, die Anforderungen mehrerer Standards enthält, bildet unterschiedliche Zertifizierungsvorgaben in einem einzigen Fragenkatalog ab – inklusive der Möglichkeit, Pflichtfotos, Abweichungen und Korrekturmassnahmen zu ergänzen. So entsteht eine konsistente Datengrundlage, die interne Prozesse unterstützt und die Vorbereitung auf externe Audits vereinfacht.

Auch bei schwacher oder fehlender Internetverbindung …

… lassen sich die Daten zuverlässig erfassen und nachträglich hochladen.

Georeferenzierung und strukturierter Umgang mit EUDR-Risiken

Mit den Anforderungen der EU-Verordnung über entwaldungsfreie Lieferketten (EUDR) gewinnt eine präzise Georeferenzierung von Anbauflächen zunehmend an Bedeutung und steht im operativen Fokus vieler Kleinbauern-Organisationen. abunda+ bietet internen Inspektoren die Möglichkeit, Parzellen eindeutig zu verorten und Entwaldungsrisiken direkt zu untersuchen.

Wenn Flächen im Rahmen von Entwaldungsprüfungen als potenziell risikobehaftet markiert werden, ist es wichtig, die tatsächlichen Gegebenheiten vor Ort zu betrachten und verlässlich zu dokumentieren, um vorschnelle Entscheidungen zu verhindern. Nicht jede Risikomarkierung bedeutet automatisch einen Regelverstoss durch die Kleinbäuerinnen oder Kleinbauern, häufig liegen natürliche Umstände zugrunde.

Im Rahmen ihrer Untersuchung erfassen die Inspektoren Fotos und ergänzende Informationen vor Ort, die direkt mit dem jeweiligen Polygon der Parzelle verknüpft werden. Anhand eines Fragenkatalogs mit einer kompakten Checkliste können sie mögliche Ursachen wie Unwetter, Krankheiten oder altersbedingten Baumbruch systematisch eingrenzen und nachvollziehbar dokumentieren.

Diese konsequente Datenerfassung ist nicht nur für die Umsetzung der EUDR zentral, sondern auch für Biodiversitätsanforderungen. Wird während einer Inspektion beispielsweise ein alter, schützenswerter Baum erfasst, lässt sich im Folgejahr einfach überprüfen, ob dieser noch vorhanden ist. Gleiches gilt für Lager, Anlagen oder andere sensible Punkte: Veränderungen bleiben über mehrere Jahre hinweg nachvollziehbar, da alle relevanten Informationen direkt mit dem jeweiligen Kontrollpunkt verknüpft sind. Solche Verknüpfungen schaffen eine belastbare Grundlage für sachlich fundierte Entscheidungen, die den Kooperativen dabei helfen, regulatorische Vorgaben zuverlässig zu erfüllen und Fehlinterpretationen zu vermeiden.

Fragenkatalog und Checkliste zum Entwaldungsrisiko gemäss EUDR-Vorgaben in der App abunda+.

Bewährt im Auditkontext – Ein Beispiel aus der Praxis

Der praktische Mehrwert der digitalen Datenerfassung zeigt sich besonders im Zertifizierungsalltag: Während eines CERES-Audits bei Kleinproduzentinnen und Kleinproduzenten von FUNDOPO im Jahr 2024 hob die Auditorin die Funktionalität und Übersichtlichkeit der Software hervor. Statt etliche Ordner zu sichten, konnten alle relevanten Informationen gezielt auf dem Tablet aufgerufen und mit den Daten aus dem Vorjahr abgeglichen werden. Dieser reduzierte Suchaufwand erleichterte die Prüfung und verringerte den Aufwand auf allen Seiten spürbar.

Externes Audit mit abunda+ auf einem Tablet

«Mit abunda+ werden die internen Kontrollprozesse strukturiert abgebildet. Die Vorbereitung auf Zertifizierungen ist deutlich einfacher, Audits durch Kontrollstellen verlaufen wesentlich effizienter», so Patricia Martínez Rios, die massgeblich am Aufbau von abunda+ beteiligt war. «Für die Kooperativen ist das eine bedeutende Zeit- und Kostenersparnis. Die internen ICS-Manager betonen oft, dass sie sich ihre Arbeit ohne abunda+ nicht mehr vorstellen können.»

Weiterentwicklung und Ausblick

Aktuell arbeiten rund 14 Kunden mit abunda+, neben den Kooperativen FUNDOPO, ACOPAGRO und El Quinacho befinden sich darunter auch Projekte mit mehreren beteiligten Organisationen wie «Paisaje Sostenible de Cacao en la Región San Martín» von Helvetas. Die Software wird jedoch nicht nur für Kakaoanbauflächen eingesetzt, sondern auch in weiteren Rohstoffbereichen, in denen ein funktionierendes internes Kontrollsystem erforderlich ist. So nutzen die Kooperativen, die mit PREMIUM SPICES in Madagaskar zusammenarbeiten, abunda+ ebenfalls für Vanille und Gewürze.

Die Weiterentwicklung der Software orientiert sich eng an den stetig wachsenden regulatorischen Anforderungen: Das Team von abunda+ steht im kontinuierlichen Austausch mit unterschiedlichen Zertifizierungsstellen mit dem Ziel, das System fortlaufend anzupassen, um neue Vorgaben zeitnah und sachgerecht abbilden zu können. Dieser Ansatz prägt die Entwicklung der Anwendung seit der ersten Stunde und stellt sicher, dass abunda+ Kooperativen auch künftig als praxisnahes digitales Werkzeug bei ihrer täglichen Arbeit unterstützt.

abunda+ an der Biofach 2026

abunda+ wird vom 10. bis 13. Februar 2026 mit einem eigenen Stand an der Biofach 2026 in Nürnberg vertreten sein. Das Team freut sich auf den persönlichen Austausch mit Ihnen in Halle 1 an Stand 1-462.

Das Team von abunda+ freut sich auf Ihren Besuch.

Über abunda+

abunda+ ist eine Web- und Smartphone-basierte Software zur Georeferenzierung von Anbauflächen und zur Digitalisierung interner Kontrollsysteme (ICS). Sie unterstützt Kooperativen bei der strukturierten Erfassung von Parzellendaten, Nachweisen und Kontrollpunkten und erleichtert die Vorbereitung auf Bio und Fair Trade Zertifizierungen sowie auf regulatorische Anforderungen wie die EUDR.

Die Software wurde 2022 im Rahmen eines Pilotprojekts in der Dominikanischen Republik eingeführt. Die Entwicklung von abunda+ wurde von PRONATEC in Zusammenarbeit mit Hipper Consult initiiert und finanziert. Seitdem wird das System kontinuierlich weiterentwickelt und in unterschiedlichen Rohstoffbereichen eingesetzt.

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