Wie setzt PRONATEC die EUDR um?

PRONATEC setzt seit jeher alles daran, keine Lebensmittelrohstoffe zu beziehen, die direkt oder indirekt Entwaldung verursachen. Mit gezielten Massnahmen fördern wir eine Zunahme der Vegetation, etwa durch die Umwandlung von Weideflächen in Agroforstflächen. Mit der EU-Verordnung über entwaldungsfreie Lieferketten (EUDR) wird das Thema noch dringlicher. Hier zeigen wir Prozesse und Verantwortlichkeiten beim Import von Kakao – ganz konkret.

Aktuelle Entwicklung zur EUDR

Die Umsetzung der EU-Verordnung über entwaldungsfreie Lieferketten (EUDR) wurde erneut verschoben: Für grosse und mittlere Unternehmen gilt die Pflicht nun ab dem 30. Dezember 2026, für Kleinst- und Kleinunternehmen ab dem 30. Juni 2027. Diese Verzögerung bedauern wir, denn damit werden Akteure, die den Prozess vor Ort und in der gesamten Lieferkette vorangetrieben haben, nicht für ihren Einsatz gewürdigt.

Gleichzeitig sehen wir darin eine wertvolle Chance, um gemeinsam mit unseren Produzenten noch stärker ins Detail zu gehen und die angekündigten Vereinfachungen zur Datenweitergabe in unser Verfahren zu integrieren. Unser Ziel: eine praxistaugliche und möglichst unbürokratische Umsetzung der Anforderungen.

Solange jedoch unklar ist, wie diese Vereinfachungen konkret aussehen, geben wir keine Daten weiter. Wir beobachten die gesetzlichen Entwicklungen genau und planen, ab Mitte 2026 die Prozesse für eine effiziente Datenweitergabe an unsere Kunden zu testen.

Externer Link: Pressemitteilung der EU vom 4. Dezember 2025

Was fordert die EU-Entwaldungs­verordnung im Bereich Kakao?

Die EU-Verordnung über entwaldungsfreie Lieferketten (EU-VO 2023/1115) fordert beim Import von Kakao in die EU, dass dieser entwaldungsfrei ist (keine Entwaldung nach 31.12.2020), gemäss Rechtsvorschriften des Erzeugerlands produziert wurde und eine Sorgfaltserklärung (Due Diligence Statement) erstellt wurde. Die Vorschriften der EUDR finden am 30. Dezember 2026 auf grosse und mittlere Unternehmen Anwendung, ab dem 30. Juni 2027 dann auch auf Klein- und Kleinstunternehmen.

Wie kommen die Daten in die EUDR-Sorgfaltserklärung?

Das Erstellen einer Sorgfaltserklärung für Kakao oder Kakaoprodukte ist Aufgabe des Importeurs in die EU. PRONATEC arbeitet mit einer Verifizierungsplattform. Dort laden wir die Daten sämtlicher Zulieferer (Kakaokleinbauern) hoch. Die Plattform prüft und sortiert die Daten und gibt sie frei, wenn kein Entwaldungsrisiko vorliegt. Pro Kakaokleinbauer sind darin enthalten:

  • Geodaten (Polygone) der Anbaufläche

  • Bestätigung, dass kein Entwaldungsrisiko vorliegt

  • Bestätigung, dass die lokale Gesetzgebung eingehalten wurde

  • Zeit der Ernte

Was müssen Sie als Kunde in der EU tun?

Wenn Sie Ihren Sitz in der EU haben, gilt die PRONATEC AG als Importeurin, jedoch nicht als erste Marktteilnehmerin («first operator») im Sinne der EUDR. Unsere Tochtergesellschaft in der EU übernimmt als Repräsentantin («representative») im Sinne der EUDR in Ihrem Auftrag das Ausstellen der Sorgfaltserklärung. Unsere Plattform meldet den Import automatisch beim Trade Control and Export System (TRACES) der EU an. Auf Basis der eingegebenen Information wird eine Sorgfaltserklärung pro Import-Lot generiert. In dieser Erklärung sind alle relevanten Daten der Lieferkette enthalten.

Sie erhalten von uns eine entsprechende Referenz- und Verifizierungsnummer für die Sorgfaltserklärung, welche auf TRACES für Sie hinterlegt ist. Sie dient als Nachweis und zur Weitergabe an Ihre Kunden. Gut zu wissen: Als Marktteilnehmer der nachgelagerten Lieferkette müssen Sie keine eigene Sorgfaltserklärung ausstellen, sondern lediglich nachweisen, dass eine solche erstellt wurde. Ihre Referenznummer können Sie an nachfolgende Kunden weitergeben.

Was müssen Sie als Kunde in der Schweiz tun?

Wenn Sie Ihren Sitz in der Schweiz haben, von uns Kakaoprodukte beziehen und verarbeitet oder unverarbeitet an Ihre Kunden in der EU weiterverkaufen, so gelten Sie oder Ihr Kunde als Importeur und müssen die Sorgfaltserklärung ausstellen. Für bereits erfolgte Rohwaren-Importe stellen wir Ihnen einzelne oder mehrere Referenz- und Verifizierungsnummern zur Verfügung. Zusätzlich zu den Nummern erhalten Sie von uns die zur Erstellung eines Due Diligence Statements (DDS) benötigten Informationen.

Was fordert die EU-Entwaldungsverordnung im Bereich Kakao?

Eine sichere Basis für Ihre Kakaoimporte in die EU

lückenlose Rückverfolgbarkeit für alle importierten zertifizierten Kakaobohnen verfügbar.

Unsere strengen Zertifizierungen in den Ursprungsländern decken bereits viele Anforderungen der EU-VO 2023/1115 ab. Eine lückenlose Rückverfolgbarkeit bis zum Erzeuger beispielsweise ist dank Bio Zertifizierung schon jetzt für alle von uns importierten zertifizierten Kakaobohnen verfügbar.

Übergeordnetes Ziel von PRONATEC ist der Ausschluss jeglichen Risikos schon vor Export der Kakaobohnen aus den Ursprungsländern. Dafür durchlaufen alle Partner in den Ursprungsländern unter Berücksichtigung der aktuellen Produktionsflächen einen jährlichen Zulassungsprozess. Die Entwaldung im Kakaoanbau betrifft in erster Linie die Hauptanbauländern Westafrikas, in welchen Wälder abgeholzt werden, um Kakao anzubauen.

PRONATEC bezieht Kakao hauptsächlich von Kleinbauernorganisationen aus Lateinamerika. Dort wird Kakao in traditionellen Agroforstsystemen angebaut. Diese waldähnlichen Systeme beherbergen eine reiche Biodiversität. Oft werden dafür Brachland oder ehemalige Weideflächen bepflanzt. Aus diesen Gründen ist das Entwaldungsrisiko im Vergleich zu konventionellen Lieferketten minimal. Dazu kommt die partnerschaftliche Nähe zu unseren langjährigen Lieferanten, auch bekannt als «PRONATEC Direct Sourcing». Es beschreibt das Prinzip, die Rohstoffe wo immer möglich direkt von den Erzeugergemeinschaften und ohne Zwischenhändler zu beziehen.

Unser Massnahmenplan zur Minimierung des Entwaldungsrisikos

Wir nutzen die Nähe zu unseren Partnern in den Ursprungsländern, um gemeinsam den Anforderungen der EU-VO 2023/1115 zu begegnen. Dabei treffen wir folgende Massnahmen, um jegliches Risiko vor Export aus den Ursprungsländern auszuschliessen:

  • Förderung Agroforst-Anbau mit Schulungen und Setzlingen von lokalen Kakaosorten sowie weiteren Nutzpflanzen
  • Aufforstung bereits degradierter Flächen
  • Sensibilisierung der lokalen Partner auf das Thema
  • Georeferenzierung der Anbauflächen: Dafür wird jede einzelne Anbaufläche mittels abunda+ ICS Software vermessen und präzise erfasst.
  • Analyse der erfassten Anbauflächen: Die Geo-Daten jeder Fläche werden mit dem Tool Global Forest Watch Pro verknüpft und ergeben ein genaues Bild einer möglichen Entwaldung (Anti-Deforestation-Mapping). Bei Abweichungen werden die Flächen vor Ort besucht und überprüft. Risikoflächen werden systematisch aus der Lieferkette für Europa ausgeschlossen.
  • Risikoanalyse aller Produktionsgebiete und Ursprünge
  • Verifizierung und Massnahmen vor Ort bei identifizierten Risiken
  • Einhaltung lokaler Gesetzgebung mit entsprechender Kontrolle
  • Bereitstellung der notwendigen Daten in der vorgegebenen Form
Setzlinge gepflanzt reforestation
Unser Massnahmenplan zur Minimierung des Entwaldungsrisikos
Flo Fairtrade zertifiziert
Naturland zertifiziert
CH Bio Knospe
Regenerative organic certified

Vorteile unserer Bio und Fair Trade zertifizierten Kakaoprodukte

Durch die von unabhängigen, akkreditierten Kontrollstellen ausgestellten Zertifizierungen Fairtrade, Naturland, Bio Suisse und Regenerative Organic Certified® (ROC) können wir eine zusätzliche Garantie zusichern, dass es im Ursprung zu keiner Entwaldung kommt. Die relevanten Kriterien, die der Zertifizierung zu Grunde liegen, werden regelmässig geprüft. Siehe dazu auch:

Wir weisen darauf hin, dass die Risikominimierung nur für Produkte gilt, welche nach obgenannten Labeln von unabhängigen Kontrollstellen zertifiziert wurden. Deshalb empfehlen wir, entsprechend zertifizierte Produkte zu beziehen.

Die Bereitstellung der Daten und deren Überprüfung sind sehr aufwändig. Dazu kommen die Kosten der Verifizierung durch unabhängige Zertifizierungsstellen. Dieser Aufwand schlägt sich im Preis nieder. Der Bezug zertifizierter Produkte unterstützt die Produktion von qualitativ hochwertigen Produkten und leistet einen wertvollen Beitrag gegen die Entwaldung.

Bio und Fair Trade Kakao aus der Dominikanischen Republik

Mit rund 6’000 Tonnen jährlich (Stand 2024) stammt ein Grossteil unserer Kakaobohnen von unserer Tochtergesellschaft YACAO in der Dominikanischen Republik, welche 1999 gemeinsam mit lokalen Partnern gegründet wurde. Seit 2024 ist unser Kakao aus der Dominikanischen Republik zertifiziert gemäss dem Regenerative Organic Certified® (ROC) Label. Die Dominikanische Republik zeichnet sich nebst der Produktion von Kakao in traditionellen Agroforstsystemen durch ein besonders strenges Forstgesetz aus, welches die reiche Biodiversität vor Entwaldung bzw. Waldrodung schützt. Bis heute sind wir eine loyale Partnerin für die über 3’000 Kleinbäuerinnen und -Kleinbauern der Erzeugergemeinschaft FUNDOPO (Fundación Dominicana de Productores Orgánicos), welcher wir die gesamte Ernte abnehmen, und unterstützen sie bei der Umsetzung der EUDR.

Die Mitglieder von FUNDOPO verfügen durchschnittlich über 5,15 ha Anbaufläche. Eine zusätzliche wertvolle Unterstützung erhalten sie durch die Bio und Fair Trade Prämien. Die folgenden Aktivitäten werden dadurch finanziert:

  • Zentrale Kakaosammlung, Beratungen, Schulungen zu Bio Anbau, Pflege, Schnitt

  • Prämien für Pflegemassnahmen, Aufforstung

  • Sensibilisierung zu Abfall/Abwasser, Biodiversität, integrierter Schädlingsbekämpfung

  • Demokratische Verwaltung Fair Trade Prämien