Auch 2025 steht die Bio Kakaobranche im Spannungsfeld regulatorischer Herausforderungen, schwieriger Erntebedingungen und volatiler Märkte. Unsere Gespräche vor Ort geben Einblick in die Realität Lateinamerikas: In Peru arbeiten die Kleinbauern-Kooperativen intensiv an der Umsetzung und Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben, während die Haupternte in der Dominikanischen Republik den Einsatz aller Beteiligten forderte.

Okt 9, 2025

EU-Vorgaben für Bio Kakao – Eindrücke aus Peru

Branchenaustausch und Fachdialog in Lima

Ende Juli reisten Christoph Eisenbeiss, Leiter Zertifizierungen bei PRONATEC, und Norvis Vasquez, unser Spezialist für gesetzliche Verordnungen, nach Peru. Erste Station war der Salón del Cacao y Chocolate in Lima, der Gelegenheit zu wertvollen Gesprächen mit Branchenvertretern aus ganz Lateinamerika bot. Während des Salons nahm PRONATEC auch am Podium des dort abgehaltenen Fairtrade Forums für Lateinamerika teil, das ganz im Zeichen regulatorischer Themen stand. Als Podiumsteilnehmer referierten und diskutierten wir intensiv zu den Chancen und Herausforderungen der EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) sowie der neuen Bio Verordnung (EU) 2018/848.

Feldbesuche bei ACOPAGRO – Parzellen auf dem Prüfstand

Im Anschluss führte die Reise nach San Martín zur Kleinbauern-Kooperative ACOPAGRO. Die Organisation ist ein langjähriger Partner von PRONATEC und gehört zu den erfolgreichsten peruanischen Exporteuren von Bio Kakao. Bei den aktuellen regulatorischen Anforderungen ist sie bereits weit: Die Zertifizierung nach der neuen EU Bio Verordnung ist abgeschlossen, die EUDR-Daten aller Produzentinnen und Produzenten sind vollständig erfasst.

Acopagro Cocoa

Bei unserem Besuch lag der Fokus auf der Besichtigung einzelner Flächen, die in der Satellitenauswertung als kritisch markiert worden waren. Vor Ort zeigte sich, dass agroforstlich intakte Parzellen immer wieder als problematisch eingestuft werden, obwohl die EUDR-Vorgaben eingehalten sind. Mit Hilfe entsprechender Fotos und Erläuterungen können die Parzellen weiterhin genutzt werden. Diese zeitintensive Folgearbeit beansprucht die Kooperativen zwar zusätzlich, ist für die Kleinbauern jedoch sehr wichtig.

«Damit alle noch ausstehenden EUDR-relevanten Massnahmen effizient und zeitnah umgesetzt werden können, begleiten wir ACOPAGRO weiterhin mit spezifischen Trainings und technischem Know-how.»
Christoph Eisenbeiss,
Leiter Zertifizierungen PRONATEC

Der nächste Zwischenstopp führte zum Helvetas-Projekt «Paisajes Sostenibles de Cacao», das vom SECO über die Schweizer Plattform für Nachhaltigen Kakao (SWISSCO) unterstützt wird. Hier entstehen unter anderem Konzepte, die Biodiversität, Nachhaltigkeit, wirtschaftliche Nutzung und soziale Aspekte verbinden. Dies geschieht zusammen mit ACOPAGRO und der Firma abunda+, die hinter der gleichnamigen Software zur Erfassung von Geolokalisierungsdaten steht. PRONATEC hat die Entwicklung dieser Web- und Smartphone-basierten Software mit der Einführung bei verschiedenen Partnerkooperativen unterstützt.

Unterwegs mit El Quinacho – Zertifizierung im Prozess

Letzte Station war das Apurímac-Tal in den peruanischen Anden. Bei der dortigen Kleinbauern-Kooperative El Quinacho zeigte sich die Situation etwas komplexer. Die Kooperative, von der wir seit mittlerweile 25 Jahren Kakaobohnen in Bio und Fair Trade Qualität beziehen, befand sich zum Zeitpunkt unseres Besuchs in den letzten Zügen einer Nachuntersuchung für die Zertifizierung nach der neuen EU Bio Verordnung. Von den erforderlichen EUDR-Daten waren rund 90 Prozent erfasst.

In dieser Gegend ist die Landwirtschaft noch sehr traditionell ausgelegt, geht aber zunehmend in die Hände einer jüngeren Generation über. Hier war die Bedeutung des persönlichen Austauschs deutlich spürbar: «Die Verantwortlichen von El Quinacho haben sich im Gespräch sehr offen gezeigt. Unsere Präsenz und Unterstützung zum Thema EUDR wurde als hilfreich wahrgenommen – vor allem bei Parzellen, die im Verifizierungsprozess fälschlicherweise als potenzielles Entwaldungsrisiko eingestuft wurden, obwohl es sich klar um Agroforstanbau handelt», berichtet Norvis Vasquez.

Peruanischer Bio Kakao: Herausforderung und Chance

Die Eindrücke aus Peru zeigen, wie weit die Kooperativen beim Umgang mit EUDR und EU Bio Verordnung bereits sind, auch wenn nicht immer alles reibungslos verläuft. Präzise Daten, organisierte Prozesse und Offenheit in der Kommunikation bilden eine wichtige Basis, um auch in Zukunft stabile, transparente Lieferketten für Bio Kakao aus Peru zu gewährleisten.

Erntesaison 2025 – Erkenntnisse aus der Dominikanischen Republik

Kurzes Zeitfenster, volle Auslastung

In diesem Jahr verlief die Haupternte der Bio Kakaobohnen in der Dominikanischen Republik ungewöhnlich. Statt wie häufig über zwanzig Wochen verteilt, erstreckte sich die Saison diesmal auf nur rund acht Wochen – bei gleichzeitig sehr hohen Erntemengen. Bei der Kleinbauern-Kooperative FUNDOPO und unserer Tochterfirma YACAO sorgte dies im April und Mai für ausserordentlichen Hochbetrieb: Um die riesige Menge an Kakaobohnen in so kurzer Zeit einzusammeln und zu verarbeiten, war erheblicher zusätzlicher Aufwand nötig. Das erforderliche Finanzierungsvolumen war enorm und musste so rasch wie möglich sichergestellt werden. In den Verarbeitungszentren wurde rund um die Uhr gearbeitet, und die Trocknungsflächen wurden temporär erweitert.

Intensive Zusammenarbeit unter regulatorischem Druck

Diese ungewöhnliche Erntesituation war für alle Beteiligten eine grosse Herausforderung, die eine enge Abstimmung zwischen den vier dominikanischen Verarbeitungszentren, dem Hauptsitz von YACAO in Santo Domingo und PRONATEC in Europa unerlässlich machte. Der Druck wurde durch regulatorische Vorgaben erhöht, denn die Deadline für die letzten Übergangsfristen der neuen EU Bio Verordnung rückt immer näher. Gemeinsam mit unserer Tochtergesellschaft YACAO begleiten wir die Kleinbauern-Kooperative FUNDOPO bei dieser Umstellung. Der Prozess ist zeit- und ressourcenintensiv, entwickelt sich jedoch planmässig und mit erkennbarem Fortschritt. Im Hinblick auf die EU-Entwaldungsverordnung zeigt sich ebenfalls ein positives Bild: Die Erfassung und Verifizierung der EUDR-relevanten Parzellendaten ist weit vorangeschritten. YACAO übernimmt auch in diesem Zusammenhang technischen und administrativen Support, um die Produzentenfamilien vor Ort zu entlasten.

Dominikanischer Bio Kakao: Stabile Nachfrage und wertvolle Erfahrungen

Nicht zuletzt dank seiner konstanten Qualität und niedrigen Cadmiumwerte bleibt die Nachfrage nach dominikanischem Bio Kakao am Weltmarkt weiterhin hoch. Dass der Rohwarenfluss selbst in den intensivsten Wochen der Erntesaison 2025 nicht abriss, ist den eingespielten Strukturen und der engen Zusammenarbeit aller Beteiligten zu verdanken. Zwar waren kurzfristige Engpässe spürbar, doch schwerwiegende Ausfälle blieben aus. Zeitgleich waren wir in der Lage, wertvolle Erfahrungen zu sammeln, um künftige Erntespitzen noch besser zu bewältigen. Mit einem hohen Lagerbestand an Bio Kakaobohnen sind wir nun gut für die kommenden Monate aufgestellt.

Dominikanischer Bio Kakao: Stabile Nachfrage und wertvolle Erfahrungen

Unsere Partner in Peru

PRONATEC setzt seit jeher auf langfristige Partnerschaften in den Ursprungsländern – die Zusammenarbeit mit den beiden peruanischen Kleinbauern-Kooperativen ACOPAGRO und El Quinacho sind das beste Beispiel dafür. Mit der «Cooperativa Agraria Cacaotera ACOPAGRO Ltda» sind wir seit ihrer Gründung im Jahr 1997 eng verbunden, während die «Cooperativa Agraria Cafetalera El Quinacho» seit 2000 zu unseren Partner-Kooperativen gehört.

Unsere Partner in der
Dominikanischen Republik

Mit dem direkten Bezug bei langjährigen Partnern schaffen wir Transparenz und garantieren eine vollständige Rückverfolgbarkeit über die ganze Lieferkette. Unsere Tochterfirma YACAO versorgt uns seit 25 Jahren mit hochwertigem Bio und Fair Trade Kakao aus der Dominikanischen Republik. Das Team von YACAO übernimmt den Einkauf, die Fermentation/Trocknung, die Qualitätskontrolle sowie den Export der Kakaobohnen. Dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit der im Jahr 2000 gegründeten Kleinbauern-Organisation FUNDOPO. Als Abnehmerin der gesamten Ernte sind wir eine verlässliche Partnerin für die über 3’000 angeschlossenen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern.