Sinkende Kakaopreise klingen zunächst nach Entlastung. Für Kleinbauern-Kooperativen wie COCABO in Panama kann sich eine solche Entwicklung jedoch schnell als folgenschwer herausstellen: Während der Erntezeit kaufen sie laufend Kakao von ihren Mitgliedern ein, müssen Ernten vorfinanzieren und tragen das finanzielle Risiko, wenn sie noch keinen Verkaufskontrakt abgeschlossen haben und der Marktpreis fällt. Vor Ort suchte PRONATEC deshalb gemeinsam mit COCABO und einem langjährigen Kunden nach einer Lösung, die über den kurzfristigen Marktpreis hinausblickt. Im Vordergrund stand eine tragfähige Perspektive für alle drei Geschäftspartner – verbunden mit dem gemeinsamen Anliegen, die Kooperative auch künftig in ihrer Entwicklung zu unterstützen und die langjährige Zusammenarbeit auf eine verlässliche Grundlage zu stellen.

Jun 17, 2026

COCABO: Partnerschaft in bewegten Zeiten

Anfang des Jahres war Norvis Vasquez, Spezialist für gesetzliche Verordnungen bei PRONATEC, in Panama zu Besuch bei der Kleinbauern-Kooperative COCABO. Mit dabei war auch ein langjähriger Kunde von PRONATEC, der den Kakao für eine Single Origin Tafel bezieht und grossen Wert auf faire Bezahlung und Direct Sourcing legt. Im Mittelpunkt standen die aktuellen Herausforderungen der Kooperative, die Stärkung der Handelsbeziehungen und die Frage, wie Produzentinnen und Produzenten auch in einem schwierigen Marktumfeld verlässlich eingebunden bleiben können.

Im Austausch wurde deutlich, wie viele Themen COCABO gleichzeitig beschäftigen: stabile Absatzmöglichkeiten, Produktivität, Qualitätssicherung und regulatorische Anforderungen. Besonders wichtig sind der Kooperative soziale Projekte zur Stärkung des Gemeinwohls, verlässliche Kakaopreise und ausreichend Betriebskapital zum Erntestart.

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Gemeinsam eine tragfähige Lösung finden

Der Besuch führte auch zu einer konkreten Entscheidung. COCABO hatte bereits Kakao von ihren Mitgliedern übernommen und war auf einen Verkauf angewiesen, der die entstandenen Kosten berücksichtigt. Gerade in volatilen Marktphasen kann das Timing für Kooperativen entscheidend sein: Wenn Ernten vorfinanziert werden, Verkaufskontrakte aber noch nicht abgeschlossen sind und der Marktpreis anschliessend fällt, geraten sie rasch unter Druck. Denn den Einkaufspreis für die Produzentenfamilien können sie nicht nachträglich senken, auch wenn der Kakao in einem tieferen Marktumfeld weiterverkauft werden muss.

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COCABO_eingekaufter Kakao von Kleinbauern

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In enger Abstimmung mit dem langjährigen Kunden wurde ein Preisansatz gewählt, der sich an den tatsächlichen Kosten orientierte und damit die für die Kooperative negativen Auswirkungen des sinkenden Weltmarktpreises auffing. So wurden Einkauf und Lieferung des Containers möglich – nicht als anonymes Geschäft zum Tagespreis, sondern als Ergebnis einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit, in der die Situation vor Ort berücksichtigt wurde.

Ein weiteres Thema war die Weiterentwicklung der Qualität. COCABO sucht Partner, die nicht nur Bio und Fair Trade Kakao kaufen, sondern auch an der Entwicklung der Kooperative interessiert sind. Dazu gehören Fermentation, Trocknung, interne Organisation und die weitere Professionalisierung der Prozesse. Um die Qualität weiter zu verbessern, braucht COCABO unter anderem Ausrüstung und Werkzeuge, mit denen die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern den Kakao gleichmässiger trocknen und fermentieren können

COCABO – Eine Kooperative mit langer Geschichte

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Die Kleinbauern-Organisation COCABO wurde 1952 gegründet und gilt als älteste Kakaokooperative Panamas. Heute zählt sie rund 1’500 Mitglieder und bewirtschaftet eine Fläche von etwa 5’000 Hektar. Die Organisation ist in Bocas del Toro verwurzelt, einer Region mit grosser Biodiversität und kleinstrukturierter Landwirtschaft. Fast alle Mitglieder gehören indigenen Gemeinschaften an. Der Frauenanteil liegt heute bei über 50 Prozent, und auch viele Führungspositionen sind mit Frauen besetzt. PRONATEC arbeitet seit rund 20 Jahren mit COCABO zusammen.

Viele Produzentinnen und Produzenten bewirtschaften ihre Parzellen in der Pufferzone des geschützten Regenwaldgebiets Parque La Amistad. Agroforstsysteme und der Schutz der Biodiversität sind fest in der lokalen Anbaukultur verankert. Fermentation und Trocknung erfolgen häufig direkt bei den Familien. Diese dezentrale Nacherntebehandlung gehört zum besonderen Charakter des Kakaos aus dieser Region, macht die gemeinsame Qualitätssicherung für die Kooperative allerdings anspruchsvoll.

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EUDR: Viel Aufwand für abgelegene Kleinbetriebe

Ein weiteres wichtiges Thema beim Besuch war die Umsetzung der EU-Verordnung über entwaldungsfreie Lieferketten (EUDR). Für COCABO bedeutet das: Die Kakaoparzellen ihrer Mitglieder müssen georeferenziert und die entsprechenden Daten strukturiert erfasst werden. Gerade weil viele Produzentenfamilien in abgelegenen Gebieten und in der Nähe ökologisch sensibler Zonen wirtschaften, ist dieser Prozess nicht nur technisch anspruchsvoll. Er braucht auch Erklärung, Vertrauen und einen sorgfältigen Umgang mit Daten.

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Gleichzeitig müssen regulatorische Anforderungen nachweislich erfüllt und offiziell dokumentiert werden. COCABO ist bei der Georeferenzierung bereits zu über 90 Prozent mit den EUDR-Richtlinien konform. Etwa 50 bis 60 Mitglieder mussten ihre Farmen zudem unterteilen, um weitere Vorgaben, etwa im Zusammenhang mit der neuen EU Bio Verordnung, erfüllen zu können.

Warum persönlicher Austausch wichtig bleibt

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Beim Besuch wurde deutlich, welche Stärken COCABO mitbringt: Indigene Gemeinschaften und Frauen sind nicht nur in der Produktion, sondern auch in der Führung der Kooperative vertreten. Die Kleinbauernfamilien halten zudem an ihren Umweltprinzipien fest; Agroforstsysteme und Biodiversitätsschutz sind Teil ihrer Anbaupraxis.

Gleichzeitig bleiben die Herausforderungen gross. Preisvolatilität trifft die Kooperative und ihre Mitglieder direkt und liegt ausserhalb ihres Einflusses. Andere Themen lassen sich gezielter angehen, brauchen aber konsequente Unterstützung durch Geschäftspartner wie PRONATEC, etwa bei der Weiterentwicklung von Trocknung und Fermentation, der technischen Beratung für die Produktion oder der Umsetzung regulatorischer Vorgaben. Für das interne Kontrollsystem stehen COCABO derzeit lediglich zwölf Promotoren zur Verfügung.

Das Beispiel COCABO zeigt, wie vielschichtig die Arbeit von Kleinbauern-Organisationen geworden ist. Wenn Produzentinnen und Produzenten, Kooperative, PRONATEC und Kundschaft miteinander im Gespräch bleiben, können Herausforderungen früh erkannt und gemeinsam angegangen werden. Der Besuch in Panama hat gezeigt, dass partnerschaftlicher Handel dort entsteht, wo Menschen Verantwortung übernehmen, Entscheidungen gemeinsam tragen und auch in schwierigen Marktphasen an fairen, verlässlichen Lieferketten festhalten.

«In solchen Situationen nur auf den aktuellen Marktpreis zu schauen, greift zu kurz. Entscheidend ist, dass alle Beteiligten die Situation verstehen und bereit sind, Verantwortung mitzutragen. Nur so können Kooperativen auch in schwierigen Marktphasen handlungsfähig bleiben.»
Nicolo Rieben, Leiter Kakaobohnen PRONATEC

«Vor Ort sieht man sehr schnell, welche Themen eine Kooperative wirklich beschäftigen. Bei Cocabo ging es nicht nur um Preise, sondern auch um Qualität, Organisation, regulatorische Anforderungen und die Frage, wie sich Kleinbauernfamilien langfristig einbinden lassen.»

Norvis Vasquez, Spezialist für gesetzliche Vorgaben PRONATEC

COCABO – Unsere Partnerin in Panama

Mit dem direkten Bezug bei langjährigen Partnern schafft PRONATEC Transparenz und garantiert eine vollständige Rückverfolgbarkeit über die ganze Lieferkette. Die Kleinbauern-Kooperative COCABO versorgt uns seit rund 20 Jahren mit hochwertigem Bio und Fair Trade Kakao aus Panama. Die 1952 gegründete Organisation zählt heute rund 1’500 Mitglieder in der Region Bocas del Toro. Gemeinsam mit COCABO arbeiten wir daran, Qualität, Rückverfolgbarkeit und verlässliche Perspektiven für die Produzentinnen und Produzenten langfristig zu stärken.

  • Partnerprofil COCABO