Die Geschichte von PRONAETC beginnt vor einem halben Jahrhundert mit einer Vision: Vollrohrzucker als zahnschonende und gesündere Alternative zu raffiniertem Zucker in Europa bekannt machen. Was klein und improvisiert anfing, wuchs Schritt für Schritt weiter – mit dem ersten Bio Rohrohrzucker, der ersten Bio Fair Trade Schokolade, eigenen Strukturen in den Ursprungsländern und der weltweit einzigen reinen Bio Kakaoverarbeitung. Zum 50. Firmenjubiläum blicken wir zurück auf Ideen und Überzeugungen, die diesen Weg geprägt haben und bis heute weiterwirken.
17. Juni 2026
«In den Anfangsjahren haben wir sehr viel selbst gemacht – vom Büro bis zum Lager. Bio war damals noch kein Markt, wie wir ihn heute kennen. Das meiste war improvisiert, und wir mussten unsere Produkte Schritt für Schritt anpassen.»
«Früher ging es darum, Bio überhaupt verständlich zu machen. Heute geht es auch darum, jeden Schritt nachvollziehbar und lückenlos zu dokumentieren.»
David Yersin, CEO PRONATEC

50 Jahre PRONATEC – Meilensteine im Überblick
Am Anfang stand der Vollrohrzucker
Albert Yersin, Gründer von PRONATEC, war ein echter Visionär: Schon früh beschäftigte er sich mit Nachhaltigkeitsthemen wie Solarenergie und suchte sinnvolle Lösungen für gesellschaftliche Fragen. 1976 entstand aus dieser Haltung der Wunsch, Vollrohrzucker als zahnschonendere und gesündere Alternative zu raffiniertem Zucker nach Europa zu bringen.
Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Félix Béguin entwickelte er dazu eine eigene Produktionsanlage. Mit dieser liessen sie den Zucker in Lateinamerika produzieren, importierten ihn in die Schweiz und vertrieben ihn unter dem Namen SUCANAT in die ganze Welt. Verkauft wurde er vor allem an Reformhäuser, kleinere Betriebe und Privatpersonen. Im Winterthurer Büro wurden Packungen von Hand abgefüllt, Bestellungen vorbereitet und Lagerarbeiten erledigt. Die Anfänge waren überschaubar und improvisiert, der kommerzielle Erfolg spielte damals eine untergeordnete Rolle.

Der Visionär, der seiner Zeit voraus war: Albert Yersin, Gründer von PRONATEC

Am Anfang stand SUCANAT, der erste zahnschonende Vollrohrzucker

Der Zuckerabfüllung erfolgte in den ersten Jahren noch von Hand
Als Bio noch keine Selbstverständlichkeit war
Als Albert Yersins Sohn David 1989 ins Unternehmen eintrat, hatte sich SUCANAT in der Reformhaus-Szene bereits einen Namen gemacht. Für die Lebensmittelindustrie war sein kräftiger Eigengeschmack jedoch oft zu dominant. Gesucht wurde ein hellerer, neutralerer Zucker, der sich vielseitig einsetzen liess und zugleich weniger stark verarbeitet war als raffinierter Zucker.
Mit SYRAMENA, dem weltweit ersten Bio Rohrohrzucker, brachte PRONATEC die gesuchte Variante 1994 auf den Markt. Zu dieser Zeit war Bio in der Lebensmittelindustrie noch keineswegs etabliert. Trotz anfänglicher Zweifel zeigte sich aber bald, dass der Bedarf an naturbelassenen Rohstoffen wuchs. David Yersin war überzeugt, dass Bio langfristig an Bedeutung gewinnen würde und setzte sich für eine konsequente Unternehmensausrichtung ein.

Weltpremiere: Der Bio Rohrohrzucker SYRAMENA kam 1994 auf den Markt
Die Schokolade, an die zunächst nicht alle glaubten
Mitte der 1990er‑Jahre entwickelte sich PRONATEC zu einer festen Grösse in der Bio Branche. Neben Zucker handelte das Unternehmen inzwischen auch mit Kaffee und Sojabohnen aus ökologischem Anbau. Inspiriert durch dieses Wachstum, entstand die Idee, eine Schokolade herzustellen, die ausschliesslich Bio und Fair Trade Zutaten enthielt. Dazu wurde das Sortiment um Kakao, Mandeln und Haselnüsse erweitert. Am Markt überwog die Skepsis, ob sich eine solche Schokolade behaupten könnte, aber der Ehrgeiz im Winterthurer Familienunternehmen war geweckt.
![Choconat – heute Amarrú 1996 erfolgte mit CHOCANAT, heute AMARRÚ[SS4.1], die Lancierung der ersten Bio und Fair Trade zertifizierten Schokolade der Welt](https://pronatec.com/wp-content/uploads/2026/06/Choconat-heute-Amarru-1-scaled.jpg)
Von CHOCONAT zu AMARRÚ: Aus einer Pioniertafel entstand über die Jahre unsere heutige Amarrú Linie mit 10 Sorten Schweizer Bio Schokolade
1996 erfolgte mit CHOCANAT, heute AMARRÚ, die Lancierung der ersten Bio und Fair Trade zertifizierten Schokolade der Welt – ihr Erfolg übertraf alle Erwartungen. Zeitweise konnte PRONATEC den aus aller Welt eintreffenden Bestellungen nicht mehr nachkommen, denn für die einzelnen Rohstoffe in passender Qualität existierten noch keine verlässlichen Lieferketten.
Näher am Ursprung
Ende der 1990er-Jahre wurde immer deutlicher, dass reine Handelsstrukturen nicht ausreichen würden, um Qualität, Rückverfolgbarkeit und langfristige Verfügbarkeit sicherzustellen. Besonders bei Kakao war Bio zertifizierte Ware nur begrenzt verfügbar. Im Jahr 2000 gründete PRONATEC deshalb die Tochtergesellschaft YACAO in der Dominikanischen Republik. Der Fokus lag von Anfang an auf Bio Qualität, fairen Preisen für die Kleinproduzenten und lückenloser Nachverfolgbarkeit. Um dies zu gewährleisten, erfolgt der Einkauf im Direct-Sourcing-Modell, das heisst direkt bei lokalen Kleinbauern-Organisationen wie FUNDOPO. YACAO übernimmt danach die Fermentation sowie Trocknung der Kakaobohnen und bereitet sie für den Export vor.

Für bessere Verfügbarkeit: Mit der Gründung von YACAO in der Dominikanischen Republik …

… begann für PRONATEC ein neues Kapitel in der Firmengeschichte

Von Anfang an eingebunden: die Mitglieder der Kleinbauern-Kooperative FUNDOPO
Weitere Kakaoprojekte und Partnerschaften mit lateinamerikanischen Kleinbauern-Kooperativen folgten schnell, unter anderem in Peru, Panama und Ecuador. Seit der Jahrtausendwende arbeitet PRONATEC eng mit den beiden peruanischen Kooperativen ACOPAGRO aus der Region San Martín und El Quinacho im Apurímac-Tal zusammen. Hier kommt dem Anbau von Bio und Fair Trade Kakao eine besondere Bedeutung zu, da er eine wichtige und verlässliche Alternative zum gefährlichen und weit verbreiteten Koka-Anbau darstellt.

Partnerin seit 1997: die Kleinbauern-Kooperative ACOPAGRO aus der Region San Martín in Peru

Bio Kakao aus dem peruanischen Apurímac-Tal: El Quinacho arbeitet seit 2000 mit PRONATEC zusammen
Vom Vertrauen zum Nachweis
Mit der starken Verankerung in den Ursprungsländern und dem Schritt in neue Märkte rückten verlässliche Nachweise immer stärker in den Fokus – für Bio, faire Bedingungen und Rohstoffherkunft. In den Anfangsjahren basierte vieles beim Thema Bio auf persönlicher Überzeugung sowie Vertrauen und direktem Austausch. Die spürbar zunehmende Nachfrage nach Bio in den späten 1990er-Jahren brachte für die gesamte Branche merkliche Veränderungen mit sich: Konsumentinnen und Konsumenten wollten mehr Sicherheit, Handelspartner stellten je nach Markt, Produkt und Weiterverarbeitung zunehmend konkretere Anforderungen an nachweisliche und dokumentierte Qualität, Lebensmittelsicherheit und soziale Aspekte. PRONATEC baute Schritt für Schritt Prozesse auf, um alle für das Unternehmen marktrelevanten Zertifizierungen zu erhalten. Inzwischen verfügt PRONATEC über 16 verschiedene Labels und Standards. Diese reichen von der ersten Bio und Fair Trade Zertifizierung bis zur Norm FSSC 22000 für Lebensmittelsicherheit.

Übersicht der 16 Labels in den Bereichen Bio, Fair Trade und Lebensmittelsicherheit sowie weitere markt- und kundenspezifische Standards wie Halal und Kosher
Was anfangs neben dem Tagesgeschäft mitbetreut wurde, entwickelte sich zu einem immer wichtigeren eigenen Aufgabenbereich. Anfang der 2010er-Jahre entstanden die ersten Vollzeitstellen für Qualitätssicherung und Zertifizierung. Heute sind diese Bereiche fest im Arbeitsalltag von PRONATEC verankert, die entsprechende Abteilung gehört inzwischen zu den grössten Teams innerhalb des Unternehmens.
Vanille und Gewürze aus Madagaskar
Anfang der 2000er-Jahre wurde Madagaskar für PRONATEC zu einem neuen geografischen Schwerpunkt: Aus einem Bio Vanilleprojekt im Nordosten der Insel ging 2005 das Partnerunternehmen PREMIUM SPICES hervor. Seit den Anfängen besteht eine enge Zusammenarbeit; seit 2010 ist PRONATEC als Teilhaberin beteiligt. Damit bot sich die Möglichkeit, den Direct-Sourcing-Ansatz auch auf Vanille und Gewürze auszuweiten.
Rund um das UNESCO-Biosphärenreservat Mananara werden bis heute Bio und Fair Trade zertifizierte Vanille und Nelken in traditionellen Agroforstsystemen angebaut.

Zu Besuch in Madagaskar: David und Simon Yersin bei PREMIUM SPICES
Mit der Zeit kamen aus weiteren Regionen Madagaskars Pfeffer, Zimt, Ingwer, Kurkuma sowie Edelkakao hinzu. Ein Teil der Verarbeitung, etwa das Schneiden und Trocknen von Ingwer, erfolgt direkt in Madagaskar. Auch Qualitätskontrolle und Export werden von PREMIUM SPICES vor Ort organisiert.
Mittlerweile sind rund 1’860 Kleinbäuerinnen und Kleinbauern aus fünf Kooperativen in die Wertschöpfungskette eingebunden. Neben höheren Preisen sowie garantierten Bio und Fair Trade Prämien profitieren sie von gezielter Unterstützung bei Qualitätssicherung und Zertifizierung.
Vom Händler zum Verarbeiter
Das Geschäft mit Bio Kakao-Halbfabrikaten gewann für PRONATEC stetig an Bedeutung. Die Herstellung lag damals noch bei externen Anbietern – eine Lösung, die mit dem starken Wachstum dieses Geschäftsbereichs zunehmend an Grenzen stiess. Denn neben steigenden Anforderungen an Rückverfolgbarkeit, Zertifizierungen und Liefersicherheit benötigten Bio Chargen passende Produktionsfenster, die selten flexibel verfügbar waren; häufig kamen grosse Mindestmengen hinzu. Für PRONATEC bedeutete das eine wachsende Abhängigkeit.
Seit 2022 entstehen in der PRONATEC Swiss Cocoa Production Bio Kakao-Halbfabrikate
Nach langer Abwägung und zähen Finanzierungsverhandlungen folgte 2022 deshalb ein weiterer Schritt mit Pioniercharakter: die Inbetriebnahme der PRONATEC Swiss Cocoa Production in Beringen im Kanton Schaffhausen. In der weltweit einzigen reinen Bio Kakaoverarbeitungsanlage entstehen seither Kakaomasse, Kakaobutter, Kakaopulver und Kakaonibs, made in Switzerland.
Dank der eigenen Produktion deckt PRONATEC heute alle zentralen Prozessschritte der Wertschöpfungskette selbst ab – von der Beschaffung bei Kleinbauernfamilien über Fermentation, Trocknung und Export bis zu Verarbeitung, Verkauf und Auslieferung.
Die getrennte Verarbeitung einzelner Produktchargen und die digitale Prozesssteuerung helfen dabei, den hohen firmeneigenen Ansprüchen, die weit über die gesetzlichen Vorgaben hinausgehen, gerecht zu werden und die Rückverfolgbarkeit bis zur Kleinproduzentenparzelle sicherzustellen. Hinter dem täglichen Betrieb der Beringer Verarbeitungsanlage steht ein interdisziplinäres Team – von Mechanikern, Elektrikern, Qualitätsfachpersonen, Logistikern und Technologen über Produktions- und Verpackungsmitarbeitende sowie Linienführer bis hin zu Schichtleitern. Gemeinsam sorgen sie dafür, dass die anspruchsvollen Abläufe in einem komplexen Umfeld effizient und verlässlich funktionieren.
Was bleibt, wenn sich vieles verändert
Fünfzig Jahre nach der Gründung stehen bei PRONATEC neue Fragen im Vordergrund: volatile Rohstoffmärkte, steigende regulatorische Anforderungen, Klimaschutz, Ressourceneffizienz und der weitere Ausbau der eigenen Verarbeitung – in einem wirtschaftlichen Umfeld, das nur begrenzt planbar ist. Die PRONATEC Production wird dabei ein wichtiger Baustein bleiben. Auch in den kommenden Jahren dürfte gelten, was das Unternehmen seit den Anfängen begleitet: Vieles lässt sich nicht vollständig planen, aber Schritt für Schritt weiterentwickeln.

PS: Ein persönliches Gespräch über die Unternehmensgeschichte findet sich im Interview mit David Yersin zu 45 Jahren PRONATEC, ein weiteres lesenswertes Jubiläumsinterview mit David und Simon Yersin findet sich im Newsbeitrag zu 50 Jahren PRONATEC im Generationendialog.


