Jun 17, 2026
PREMIUM SPICES: Die aktuellen Entwicklungen im Überblick
Madagaskars Vanillesektor steht erneut vor einer Phase der Neuordnung. Nach Jahren starker Preisschwankungen bleibt die Lage für Produzentinnen, Kooperativen und Exporteure schwer planbar: Staatliche Vorgaben zu Mindestpreisen, Exportsteuern und Lizenzen ändern sich laufend, während nach den politischen Umbrüchen zuletzt eine gewisse Liberalisierung spürbar wurde. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Bio und Fair Trade Zertifizierungen weiter an. Für die mit PREMIUM SPICES verbundenen Kleinbauern-Organisationen, in denen vieles noch mündlich organisiert ist, stellt dies eine besondere Herausforderung dar. Die veränderten Rahmenbedingungen wirken sich auch auf die Partnerkooperativen aus: Bestehende Strukturen werden zusammengelegt, eine Kooperative plant, eigene Wege zu gehen. Zusätzlich hat der Zyklon Gezani in der Hafenregion Tamatave deutliche Spuren hinterlassen, auch wenn die Infrastrukturen von PREMIUM SPICES vergleichsweise glimpflich davongekommen sind. Das folgende Interview mit Jürg Brand zeigt: Madagaskar bleibt ein anspruchsvolles Umfeld. Wer fairen Handel, Rückverfolgbarkeit und transparente Strukturen will, muss genau hinschauen und anerkennen, dass regelbasierte Produkte ihren Preis haben.
20 Jahre PREMIUM SPICES – Interview mit Jürg Brand


Jürg Brand, Gründer und CEO von PREMIUM SPICES, war im Frühjahr 2026 erneut in der Vanille-Region Mananara unterwegs. Im Interview spricht er über seine Eindrücke vor Ort, die aktuelle Erntesituation, die Rolle der Kooperativen, zunehmende Zertifizierungsanforderungen und darüber, warum man Madagaskar weder verklären noch unterschätzen sollte.
Jürg, du hast PREMIUM SPICES vor gut 20 Jahren in Madagaskar gegründet und bist auch heute noch regelmässig vor Ort. Was waren deine Eindrücke bei deinem Besuch im April 2026 in der Vanilleregion Mananara?
Für mich ist es auch heute, mehr als 25 Jahre nach meinem ersten Besuch, immer wieder ein Erlebnis, in unser Vanilleanbaugebiet zu reisen. Die Region liegt sehr abgelegen an der Ostküste Madagaskars und ist nur mit mehrtägiger Fahrt über schwierige Naturpisten erreichbar. Schon die Anreise ist ein Abenteuer, weil sich die Bedingungen ständig ändern. Strassen, die vor fünf Jahren noch gut waren, sind heute teilweise zerstört. Andere Teilstücke, auf denen man früher nur über den Strand oder mit einer Bambusflosse weiterkam, verfügen inzwischen über breite, geteerte Strassen.
Der Weg führt durch die Dörfer unserer Kleinproduzentinnen und -produzenten. Dort scheint die Zeit an vielen Stellen stillzustehen: üppige Vegetation, Holzhäuser, freundliche Menschen vor ihrem Heim und dahinter der Indische Ozean mit den Pirogen am Strand. In Mananara selbst herrschte das übliche geschäftige Treiben. Die Überreste der letzten Vanille- und Nelkensaison wurden noch aufgeräumt, gleichzeitig begannen bereits die ersten Vorbereitungen für die nächste Ernte, die gegen Ende Juni starten sollte.

Naturpiste auf dem Weg in die Vanille-Region Mananara

Trocknende Vanille vor dem Haus einer Kleinbauernfamilie

Kleinproduzentin bei der Arbeit mit Gewürznelken
Du besuchst die Produzentenfamilien seit vielen Jahren. Wie hast du ihre aktuelle Situation erlebt?
Ich fand unsere Produzentinnen und Produzenten mehrheitlich in guter Stimmung vor. Die letzte Vanilleernte verlief gut, auch wenn die Preise tief waren. Dazu kam eine erfreuliche Gewürznelkenernte. Auch die Aussichten auf die neue Vanilleernte sind in den meisten Dörfern positiv. In anderen wird sie etwas geringer ausfallen, weil die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern während der Bestäubungssaison der Vanille stark mit der Nelkenernte beschäftigt waren.
Wir nutzen die anstrengende Fahrt jeweils, um in allen Dörfern kurz anzuhalten und die Bäuerinnen und Bauern zu treffen. Diese Begegnungen haben weniger eine konkrete geschäftliche Funktion, sondern dienen vor allem der gegenseitigen Wertschätzung: Bei den Besuchen geht es um Gesundheit, Familie, die Aussichten auf Preise bzw. Mengen und darum, im Kontakt zu bleiben.

In vielen Ursprungsländern sorgen Preisschwankungen für grosse Unsicherheit. Wie gehen die Kleinbauernfamilien in Mananara damit um?
In den Dörfern unserer Produzentinnen und Produzenten dreht sich die Welt recht langsam, und es gibt nur wenige sichtbare Veränderungen. Oft trifft man dieselben Menschen vor denselben Häusern wie jedes Jahr. Die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern nehmen die extremen Schwankungen der Vanillepreise mit einer gewissen stoischen Ruhe. Sie wissen aus Erfahrung, dass sich Hochpreis- und Tiefpreisphasen abwechseln.
Viele planen nicht weit in die Zukunft; dadurch werden sie seltener enttäuscht. Gleichzeitig sind die meisten Familien stark diversifiziert. Sie bauen sowohl Rohstoffe für den Export an, sogenannte Cash-Crops wie Vanille und Gewürznelken, als auch Lebensmittel für den Eigenbedarf: Reis, Maniok, Gemüse, Kokosnüsse und Früchte. Dazu halten sie Haustiere und gehen im Meer fischen. Das Land gehört ihnen meist selbst, ihre Häuser bestehen aus lokalen Materialien, und ihre materiellen Ansprüche sind gering. All das ergibt eine relativ hohe Resilienz gegenüber den unvorhersehbaren Preisschwankungen der Vanille.
Bei den an PREMIUM SPICES angeschlossenen Kooperativen stehen wichtige Anpassungen an. Was genau soll sich verändern, und wie wirkt sich das auf PREMIUM SPICES aus?
Ja, wir befinden uns mitten in einer grösseren Umstrukturierung: Zum einen wird die bisherige Kooperative CPVM wegen ihrer niedrigen Mitgliederzahl auf die neue Kampagne hin aufgelöst; ihre Mitglieder werden in unsere historische Kooperative COMAM integriert. Nach anfänglichen Bedenken wurde diese Fusion einstimmig beschlossen. Dieser Schritt wird uns die Organisation in Zukunft erleichtern. Zum anderen wird sich die Kooperative COPPVM ebenfalls zum neuen Kampagnenbeginn selbstständig machen. Sie möchte sich künftig eigenständig zertifizieren lassen und wird uns nur noch bei Bedarf Produkte liefern.
Die Umstrukturierung stellt alle Beteiligten vor Herausforderungen. Für uns bedeutet dies letztlich eine gewisse Arbeitsentlastung, denn damit werden alle Produzentinnen und Produzenten dieselben Zertifikate haben, darunter Naturland, Bio Suisse und Fairtrade. Dadurch können wir unseren Zertifizierungsaufwand deutlich verringern.

Die Präsidentin von COMAM hält eine Rede

Kooperativenmitglieder während einer Versammlung
Welche Rolle spielt COMAM heute für die Kleinbauernfamilien?
COMAM erzielt durch den Servicevertrag mit PREMIUM SPICES und durch die Fairtrade Prämien signifikante Einnahmen, die zielgerichtet verwaltet werden. Dazu gehören Projekte wie der Bau neuer Klassenräume, Brücken oder die Unterstützung von Kindern mit Schulmaterial. Mit weiteren Einnahmen organisiert die Kooperative soziale Aktivitäten und versorgt ihre Mitglieder mit Produktionsmaterial.
Gleichzeitig übernimmt COMAM viele organisatorische Aufgaben: Sitzungen, Mitarbeit bei Zertifizierungen, Generalversammlungen, Verwaltung und in nächster Zukunft auch den Eintritt in eine Krankenkasse. Da die Geschäftsleitung von COMAM ausschliesslich aus aktiven Vanilleproduzenten besteht, ist das eine grosse zusätzliche Verantwortung.

Einblick in den madegassischen Schulalltag

Bauarbeiten für einen Schulausbau in Ambohimitsinjo

Offizielle Einweihungsfeier des Schulausbaus
Und welche Herausforderungen ergeben sich daraus für PREMIUM SPICES?
Die Herausforderungen für PREMIUM SPICES sind ähnlich gelagert. Die aktuellen Zertifizierungsstandards für Bio und Fair Trade sind komplex und ausufernd. Unsere Kooperativen könnten diese Anforderungen unmöglich allein stemmen. Es braucht starke Unterstützung durch aufgestocktes und speziell geschultes Personal von PREMIUM SPICES.
Man kann mittlerweile ohne Übertreibung von einem Bürokratie-Monster sprechen. Das wirkt umso absurder, wenn man bedenkt, dass in unseren Produzentendörfern immer noch weitgehend eine mündliche Tradition besteht und viele Produzentinnen und Produzenten nur über geringe Lese- und Schreibkenntnisse verfügen.
Neben den Zertifizierungen ist auch die Vanillepolitik in Madagaskar immer wieder ein Thema. Wie wirkt sich das aus?
Die Vanillepolitik in Madagaskar ist sehr erratisch. Regulierungen wie Mindestpreise, Exportsteuern und Exportlizenzen kommen und gehen, oft ohne klare Strategie. Nach starken Einschränkungen der Branche im Jahr 2025 ist nach dem Regierungsumsturz momentan wieder eine allgemeine Liberalisierung spürbar, bei der jeder tun und lassen kann, was er will.
Für Unternehmen, Kooperativen und Produzentenfamilien ist das schwierig. Man muss mit Vorgaben arbeiten, die sich immer wieder ändern und deren langfristige Richtung kaum planbar ist.
Vanillemarkt Madagaskar: Was die letzten Jahre geprägt hat

Der Vanillemarkt in Madagaskar war in den vergangenen Jahren von starken Ausschlägen geprägt. Nach Phasen sehr hoher Preise folgte ein deutlicher Preisrückgang. Für Käuferinnen und Käufer brachte dies kurzfristig Entlastung, für viele Produzentinnen und Produzenten jedoch neue Unsicherheit.
Zusätzlich erschwerten staatliche Eingriffe und wechselnde Vorgaben den Handel. Mindestpreise, Exportsteuern, Exportlizenzen und weitere Anforderungen wurden wiederholt diskutiert, eingeführt oder angepasst. Marktberichte beschrieben 2025 ein widersprüchliches Umfeld: offiziell liberalisiert, in der Praxis aber weiterhin geprägt von Exporthürden, unklaren Kosten und geringer Transparenz.
Nach den politischen Umbrüchen Ende 2025 veränderte sich die Lage erneut. Branchenberichte verweisen auf weniger staatliche Eingriffe. In der Praxis bleibt jedoch unklar, wie stabil die neuen Rahmenbedingungen sind. Für den Vanillehandel bedeutet das vorerst vor allem: mehr Bewegung, aber noch keine verlässliche Planungssicherheit.
Wie beurteilst du die letzte Vanilleernte hinsichtlich Menge, Qualität und Preis?
Die letzte Vanilleernte war sowohl in Bezug auf Menge als auch auf Qualität hervorragend. Die Schoten hatten einen hohen Reifegrad. Das führte zu einem hohen Anteil an Gourmet-Vanille, aber auch an ausgereifter Vanille Fendue, die für ihren ausserordentlichen Geschmack und Vanillingehalt bekannt ist.
Wie in früheren Jahren kauften wir den Kleinbäuerinnen und Kleinbauern eine signifikante Menge an grünen Vanilleschoten ab, die wir anschliessend unter kontrollierten Bedingungen bei PREMIUM SPICES in Mananara zu schwarzer Exportvanille weiterverarbeiteten. Darüber hinaus konnten wir von ausgewählten Produzenten auch grössere Mengen bereits von ihnen präparierte Vanille einkaufen. Insgesamt sind wir mit der vergangenen Vanillekampagne sehr zufrieden.


Im Februar 2026 zog der Zyklon Gezani über die Hafengegend Tamatave. Zu unserer Überraschung fand relativ bald darauf schon wieder ein Export statt. Wie hast du die Situation vor Ort erlebt?
Wir haben einen Tag in Tamatave verbracht. Der Zyklon war extrem heftig, und die Auswirkungen sind noch überall zu sehen. Grosse, moderne Gebäude haben mehrheitlich ihre Dächer verloren. Kleinere Häuser und Hütten wurden vollständig zerstört, viele Bäume und Mauern fielen um.
Neben den materiellen Schäden sind auch die psychologischen Folgen gross. Viele Hütten wurden bereits in der ersten Phase des Zyklons zerstört. Die Bewohnerinnen und Bewohner, häufig ganze Familien, waren dem Sturm danach noch etwa zehn Stunden lang schutzlos ausgeliefert.
Nach bald zwei Monaten wirkten die Menschen wieder gefasst, und in der Stadt herrschte hektisches Treiben. Strom und Wasser waren aber immer noch erst in etwa der Hälfte der Stadt wieder verfügbar.

Die Ausmasse der Schäden des Zyklons Gezani in der Hafenregion Tamatave: umgestürzte Bäume …

… nahezu komplett zerstörte Gebäude …

… und beschädigte Infrastruktur
Wie stark war PREMIUM SPICES selbst betroffen?

PREMIUM SPICES hatte ziemliches Glück. Unser Lagerhaus wurde nur teilweise abgedeckt, und die gelagerte Ware war gut eingepackt und geschützt. Dadurch konnten wir uns vor allem auf die finanzielle und materielle Unterstützung unserer lokalen Mitarbeitenden konzentrieren.
Trotz aller Herausforderungen, denen du begegnet bist: Gab es auch positive Entwicklungen?
Die positiven Eindrücke überwiegen nach solchen Reisen eigentlich immer. Das beginnt bei einzelnen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, die dank ihrer Vanillefelder und Nelkenbäume der Zukunft relativ gelassen entgegenblicken. Auch die Kooperativen haben sich durch ihre vernünftige Leitung positiv weiterentwickelt und gewinnen immer mehr an Ansehen.
PREMIUM SPICES selbst steuert nach einigen turbulenten Jahren auf eine Konsolidierungsphase zu. Das zeigt sich auch in einem vorwiegend positiven Betriebsklima. Unsere Angestellten sind nach wie vor stolz darauf, bei PREMIUM SPICES zu arbeiten.
Was ist dir persönlich am meisten in Erinnerung geblieben?
Die Langlebigkeit der guten Zusammenarbeit zwischen PREMIUM SPICES und der Kooperative COMAM. Das ist trotz aller Hindernisse oder Rückschläge eine besondere Erfolgsgeschichte. Viele der Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, die von Anfang an dabei sind, sind inzwischen natürlich älter geworden. Manche haben gesundheitliche Probleme oder auch Nachfolgesorgen. Umso schöner ist es zu erfahren, dass die gegenseitige Wertschätzung und das Vertrauen immer noch da sind wie zu Beginn. Das ist nach so vielen Jahren nicht selbstverständlich.

Verteilung von durch Fairtrade Prämien finanzierte Lebensmittel
Lass uns auf die frühen Anfänge zurückblicken. Wie kam es überhaupt zur Zusammenarbeit mit PRONATEC?
Ich kam 1992 im Rahmen einer Umweltforschungsarbeit nach Madagaskar und gründete dort 1999 ein unabhängiges Beratungsbüro. In diesem Zusammenhang erhielt ich den Auftrag, für den Nationalpark Mananara einen Managementplan inklusive Finanzierung zu erstellen. Von 2001 bis 2007 war ich technischer Berater des Nationalparks.
Eine der Strategien zum Schutz des Regenwaldes und der Biosphäre war es, der lokalen Bevölkerung zu höheren Einnahmen aus Cash-Crops wie Vanille zu verhelfen. Während einer ersten Zusammenarbeit mit Slow Food Italy wurde 2002 die Kooperative COMAM gegründet. Ziel war es, qualitativ exzellente Vanille direkt an europäische Kleinkunden wie Bäckereien, Gelaterien oder Restaurants zu vermarkten. Die angefragten Mengen stellten sich allerdings als sehr klein heraus.

Jürg Brand, Gründer und CEO von PREMIUM SPICES

Direktion am Eingang des Nationalparks Mananara

Slow Food Italy 2002: Gründung von COMAM
Und dann kam PRONATEC ins Spiel?
Ja, 2004 erstellten wir gemeinsam mit der Organisation Intercooperation, heute Helvetas, eine Marktstudie zu potenziellen Partnern in der Schweiz und ihren Erwartungen. An oberster Stelle stand eine Firma namens PRONATEC.
Ein erster Besuch in Winterthur bei David Yersin zeigte rasch gegenseitiges Interesse und Vertrauen. Die Chemie stimmte offensichtlich, und wir vereinbarten noch am selben Tag eine Testsaison. David stellte uns eine längerfristige Nachfrage von drei Tonnen pro Jahr in Aussicht, was uns damals riesig erschien. Voraussetzung war allerdings, dass wir uns nach Bio und Fair Trade Standards zertifizieren lassen. Gesagt, getan: 2004 erhielten wir die Bio und 2005 die Fairtrade Zertifizierung. Danach konnte die erste Exportsaison beginnen, hauptsächlich ermöglicht durch die unglaublich unkomplizierte und pragmatische Vorgehensweise von PRONATEC.
Wie entwickelte sich die Zusammenarbeit danach weiter?
Aus den 900 Kilogramm Vanille des ersten Jahres stiegen die Exportmengen stetig an. 2010 wurde PRONATEC Teilhaberin von PREMIUM SPICES. Fünf Jahre später erreichten wir Maximalmengen von rund 60 Tonnen Vanille.
Parallel dazu wurde die Produktpalette mit neuen Kooperativen in Madagaskar um Gewürznelken, Zimt, Ingwer, Kurkuma und Edelkakao erweitert. Gemeinsam ging es durch die Achterbahn der Vanillepreise bis heute weiter.

David Yersin und Jürg Brand in den Anfangsjahren

Die erste Lieferung von Vanille an PRONATEC

Gibt es zum Abschluss eine Botschaft, die du unseren Leserinnen und Lesern mitgeben möchtest?
Ich bin mir bewusst und schätze es sehr, dass sich die Kundinnen und Geschäftspartner von PRONATEC klar zu fairem Handel, Rückverfolgbarkeit und der Unterstützung lokaler Kleinproduzentinnen und Kleinproduzenten bekennen. Gleichzeitig darf trotz der besonderen Geschichte unserer Zusammenarbeit nicht vergessen werden, dass Madagaskar und insbesondere die dortigen Geschäftspraktiken keinesfalls idealisiert werden dürfen.
Es gibt grosse Vanillehändler, die viel Geld mit illegalem Rosenholzexport gemacht haben und dieses Geld nach und nach über den Vanillehandel reinwaschen. Es gibt andere, die trotz grosser Exportmengen kaum Steuern zahlen oder ihre Angestellten schwarzarbeiten lassen. Weitere wiederum erhalten grosse Summen von internationalen Investoren mit sehr zweifelhaftem Hintergrund. Auch wäre es naiv, zu glauben, dass die grassierende Korruption in Madagaskar vor Produktzertifizierungen Halt machen würde.
Dies alles führt zu Exportpreisen, die teils unter dem Selbstkostenpreis liegen. Das betrifft nur einzelne Firmen, und ich möchte keinesfalls alle Vanilleexporteure unter Generalverdacht stellen. Es gibt genügend absolut korrekt arbeitende Mitbewerber. Natürlich muss man in einem gesunden Wettbewerb auch preislich konkurrenzfähig bleiben.
Mein Anliegen an alle Beteiligten ist es deshalb, Gleiches mit Gleichem zu vergleichen. Ehrliche, faire und regelbasierte Produkte haben ihren Preis, egal von welchem Anbieter. Es liegt in der Verantwortung von uns allen, genau hinzuschauen.
Vielen Dank, Jürg, für das aufschlussreiche Interview und die spannenden Einblicke!
Langjährige Zusammenarbeit mit PREMIUM SPICES
Bourbon Vanille, Nelken, Zimt, Ingwer, Kurkuma und Kakao in Bio und Fairtrade Qualität sind eine wichtige Einkommensquelle für die Kleinbauernfamilien Madagaskars. PRONATEC arbeitet seit 20 Jahren eng mit der lokalen Partnerin PREMIUM SPICES und fünf Kleinbauern-Kooperativen in Madagaskar zusammen.


