Jun 12, 2025
Reise in ein Land im Ausnahmezustand
Die Situation in Mosambik war in den vergangenen Monaten durch Ereignisse geprägt, die kaum planbar und noch weniger beeinflussbar sind. So brachten die Zyklone Filipo und Chido im März bzw. Dezember 2024 massive Zerstörungen mit sich und führten zu erheblichen Ernteverlusten. Daneben kam es nach Manipulationsvorwürfen im Zuge der Präsidentschaftswahlen im Oktober zu starken politischen Unruhen, die zahlreiche Todesopfer forderten und das Land lahmlegten: Grenzen und Häfen waren geschlossen, die Strassen blockiert, Wirtschaft und Handel kamen praktisch zum Stillstand. «Unter diesen Bedingungen überhaupt eine funktionierende Lieferkette aufrechtzuerhalten, ist eine enorme Leistung», so Andreas. «Erst jetzt stabilisiert sich die Lage langsam wieder.»



Die Gegensätze innerhalb des Landes seien frappant: Während die südliche Region um die Hauptstadt Maputo durch die Nähe zu Südafrika besser entwickelt ist, herrscht im Landesinnern enorme Armut: «Im Distrikt Chemba, wo EcoFarm angesiedelt ist, sieht man kaum Smartphones, und es gibt nur wenige Fahrzeuge. Die Menschen erledigen alles zu Fuss, die meisten Kleinbauernfamilien sind Selbstversorger.» In dieser strukturschwachen Region gilt EcoFarm als zentraler Arbeitgeber mit grosser sozialer und ökologischer Bedeutung.
Elefanten mit süssem Zahn
Die Prognosen für die von Juni bis Dezember 2025 anstehende Zuckerrohrernte sind eher zurückhaltend – EcoFarm rechnet mit nur ca. einem Drittel der eigentlich möglichen Erntemenge. Hauptgrund für diese niedrigen Erwartungen ist neben den Auswirkungen der letzten Zyklone ein tierisches Problem: Eine wachsende Zahl von Elefanten hat die Zuckerrohrfelder von EcoFarm als Naschquelle für sich entdeckt. «Angefangen hat es mit einem einzelnen Bullen. Mittlerweile wurden teils über 50 Tiere gezählt, die die Pflanzen während ihres Besuchs zerstören», berichtet Andreas. Die gefrässigen Dickhäuter reissen das Zuckerrohr samt Wurzel aus, fressen nur den süssesten Teil und lassen den Rest liegen. Somit können die Pflanzen nicht wieder nachwachsen.

Die im Jahr 2024 installierten Bienenstöcke als natürliche Abwehr kommen gegen die Elefanteninvasion nicht an, daher verfolgt EcoFarm nun eine zusätzliche tierfreundliche Lösung: Geplant ist, rund um die Anbauflächen einen Schutzwall zu errichten. Die ausgehobenen Gräben und aufgeschütteten Erdwälle werden so gestaltet, dass die Tiere sie nicht überwinden können. Der Bau soll schnellstmöglich beginnen, damit zum Start der neuen Saison ein wirksamer Schutz besteht.
Langfristiges Engagement und Perspektiven
Trotz der Rückschläge in der jüngsten Vergangenheit steht für PRONATEC fest: EcoFarm ist und bleibt für uns ein sehr wertvolles Projekt mit Zukunft. Mosambik zählt zu den ärmsten Ländern der Welt, wo es an allem fehlt: an Infrastruktur, an Perspektiven, an Arbeitsplätzen. Genau hier setzt EcoFarm an. «Als zentraler Arbeitgeber in der Region verbessert EcoFarm die Lebensbedingungen seiner Angestellten und der angeschlossenen Kleinbauern erheblich», sagt Andreas. Projekte, die ökologischen Anbau unter fairen Bedingungen fördern, seien in Ländern wie Mosambik immer von besonderen Herausforderungen und Unsicherheiten geprägt. Eine Erfolgsgarantie gebe es nicht. «Aber gerade deshalb brauchen sie verlässliche Partner.»
Auch wenn aktuell noch nicht klar ist, wie hoch die nächste Ernte ausfallen wird, hält PRONATEC an ihrer bestehenden Abnahmezusage fest und möchte das Projekt weiterhin unterstützen. Ziel ist, die exportierten Volumen mit kreativen Lösungen mittelfristig zu stabilisieren und EcoFarm langfristig zu stärken.



Projekte im Ursprung: Zwischen Risiken und Rückhalt
Wetterextreme, politische Instabilität und unvorhersehbare lokale Ereignisse – mit fast 50 Jahren Erfahrung in Ursprungsländern weiss PRONATEC, dass Rückschläge und ständige Anpassungen an neue Realitäten zu solch spannenden Projekten gehören. Deshalb sind wir bestrebt, wenn immer möglich mit mehreren Ursprungsländern zu arbeiten, um temporäre Versorgungsengpässe auffangen zu können. Dabei dürfen wir erfreulicherweise auch auf die Flexibilität sowie das Vertrauen unserer Kunden zählen. Ihnen gilt unser besonderer Dank.

«EcoFarm ist für viele Menschen in der Region mehr als nur ein Arbeitgeber – das Projekt steht für faire Arbeitsbedingungen in einem strukturschwachen Umfeld. Gerade in Zeiten wie diesen ist es wichtig, dranzubleiben und Verantwortung zu übernehmen. Dass wir dieses Projekt weiter unterstützen können, verdanken wir auch der Treue und Flexibilität unserer Kunden.»
Andreas Schmidiger, Leitung Zucker PRONATEC
Bio Rohrzucker aus Mosambik
Seit 2020 ist PRONATEC eine Hauptpartnerin von EcoFarm und hat den europäischen Markt in kurzer Zeit für Bio Rohrzucker aus Mosambik erschlossen. Durch langfristige Handelsverträge und Unterstützung beim Zertifizierungsprozess bringen wir unser Know-how gewinnbringend und auf Augenhöhe ein. Aktuell ist bei PRONATEC der Bio Rohrzucker SYRAMENA «Special Light» von EcoFarm erhältlich.

Mehr Informationen zum Projekt EcoFarm finden Sie in unserem aktuellen Partnerprofil.


