Kakaoparzellen in der Dominikanischen Republik bestehen vielerorts aus Bäumen, die seit Jahrzehnten bewirtschaftet werden. Einzelne ältere oder weniger produktive Bäume müssen mit der Zeit ersetzt werden. Für viele Kleinproduzentinnen und Kleinproduzenten stellt sich dabei die Frage, wie sie ihre Bio Kakaobestände erneuern können, ohne die Vielfalt traditioneller Agroforstsysteme zu verlieren. Hier setzt ein Projekt von PRONATEC, YACAO und FUNDOPO an: Gesucht werden sogenannte «Superárboles», sprich Kakaobäume, die sich unter den lokalen Bedingungen besonders bewährt haben. Bislang wurden 17 dieser Superárboles identifiziert – aus ihren Samen sind bereits rund 4’000 Jungpflanzen herangewachsen.
Jun 17, 2026
Diversitätsprojekt in der Dominikanischen Republik
Die Kleinbauern-Kooperative FUNDOPO betreibt eine eigene Baumschule und produziert dort Kakaojungpflanzen, die zum Selbstkostenpreis an Kleinbäuerinnen und Kleinbauern abgegeben werden. Künftig soll Pflanzenmaterial aus lokal ausgewählten Superárboles das Angebot ergänzen. Damit kann FUNDOPO die genetische Vielfalt des dominikanischen Kakaos stärker in die eigene Setzlingsaufzucht einbeziehen.
![Baumschule FUNDOPO Kooperative FUNDOPO [SS1.1]betreibt eine eigene Baumschule und produziert dort Kakaojungpflanzen](https://pronatec.com/wp-content/uploads/2026/09/DSC00598.jpeg)
In der Baumschule von FUNDOPO werden Kakaojungpflanzen aufgezogen …

… und für die Weitergabe an Kleinproduzentinnen und Kleinproduzenten vorbereitet
Was sind Superárboles?
Als Superárboles werden Kakaobäume bezeichnet, die sich durch Merkmale wie hohen Fruchtbehang, guten Gesundheitszustand oder kräftigen Wuchs auszeichnen. Die Suche nach solchen Bäumen steht im Zentrum des Projekts «Diversity in and around cocoa: Fostering diversity in Dominican cocoa production with selection, economic diversification, know-how transfer and seedlings production», das PRONATEC gemeinsam mit YACAO und FUNDOPO in der Dominikanischen Republik umsetzt. Das Vorhaben ist Teil des SWISSCO Innovation Programms und wird vom Staatssekretariat für Wirtschaft SECO unterstützt. Ursprünglich war eine Laufzeit von September 2023 bis September 2025 vorgesehen; inzwischen wurde das Projekt bis Ende 2026 verlängert.
Die Auswahl erfolgt gemeinsam mit den Produzentenfamilien, deren langjährige Beobachtungen ebenso einfliessen wie die technische Einschätzung der Fachpersonen von FUNDOPO.
«Wir haben die Bäume immer gemeinsam ausgewählt. Mit den Produzenten und unserem Kakaoexperten gingen wir durch die Parzellen und suchten nach Bäumen, die viele Früchte tragen und gesund wirken. Spannend ist zu sehen, welche dieser Bäume sich in den kommenden Jahren tatsächlich bewähren.»
Lucie Hofmann, Agronomin

Anspruchsvoller als erwartet

Früchte eines potenziellen Superárbols werden vor Ort geprüft und dokumentiert
Bei den ersten Feldbesuchen zeigte sich, dass sich geeignete Superárboles nicht so leicht identifizieren liessen wie zunächst angenommen. Viele Produzentinnen und Produzenten konnten spontan keinen einzelnen Baum benennen, der sich klar von den übrigen abhob. Deshalb wurden die Kriterien geschärft und die Besuche gezielter gestaltet.
Von November 2025 bis Juni 2026 unterstützte die Schweizer Agronomin Lucie Hofmann diese Arbeiten während ihres Praktikums in Yamasá. Gemeinsam mit Segundo Gálvez, dem lokalen Kakaoexperten von FUNDOPO, und Manfred Blandón, einem Projektpraktikanten aus Nicaragua, dokumentierte sie potenzielle Superárboles und begleitete die Arbeiten in der Baumschule. Das Team erfasste dabei unter anderem Zahl und Reifegrad der Früchte sowie sichtbare Krankheits- oder Insektenschäden. Auch die Einschätzung der Produzentenfamilien zu Ertrag, Qualität und Krankheitsanfälligkeit floss in die Auswahl ein.
Vom Superárbol bis zur Jungpflanze
Nach der Auswahl werden die Früchte jedes ausgewählten Kakaobaums separat geerntet. Die daraus gewonnenen Samen werden nach Mutterbaum geordnet in der Baumschule ausgesät. So bleibt das Material der einzelnen Mutterbäume getrennt, und es ist nachvollziehbar, von welchem Baum die späteren Setzlinge stammen. Jeder Mutterbaum erhält dafür einen eigenen Code, der über sämtliche Arbeitsschritte hinweg beibehalten wird. Schon in den ersten Monaten lässt sich beobachten, welche Samen gut keimen und welche Jungpflanzen sich kräftig entwickeln.

Aus den Samen der vorausgewählten Bäume wachsen in der Baumschule die ersten Jungpflanzen heran
Vier bis fünf Jahre bis zu belastbaren Ergebnissen
Diese ersten Beobachtungen lassen jedoch noch keine Rückschlüsse darauf zu, wie sich die Bäume später auf den Parzellen bewähren. Die 17 bislang identifizierten Superárboles bilden eine Vorauswahl. Erst nach rund vier bis fünf Jahren, wenn ihre Nachkommen selbst Früchte tragen, lässt sich beurteilen, bei welchen Bäumen sich die gewünschten Eigenschaften zeigen.
Die in der Baumschule gezogenen Jungpflanzen werden anschliessend durch Pfropfung veredelt. Das dafür verwendete Pflanzenmaterial stammt von ausgewählten Superárboles; dessen Nutzung ist mit den jeweiligen Produzentenfamilien abgestimmt. Durch die Veredelung lässt sich die Zeit bis zur ersten Ernte verkürzen. Langfristig kann FUNDOPO so die schrittweise Erneuerung bestehender Kakaobestände mit lokal ausgewähltem Pflanzenmaterial unterstützen.

Sorgfältige Handarbeit beim Pfropfen einer Kakaojungpflanze

Jungpflanzen in der Baumschule von FUNDOPO nach dem Pfropfen
Vielfalt auch rund um den Kakao
Die Auswahl lokaler Kakaobäume ist nur ein Teil des Diversitätsprojekts. Parallel erweitert FUNDOPO die eigene Baumschule um weitere Nutzpflanzen für bestehende Agroforstsysteme und vermittelt Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in Schulungen aktuelle Methoden der Agroforstwirtschaft.
Höhere Kakaoerträge sollen nicht zulasten von Schatten und Vielfalt auf den Parzellen gehen. Tatsächlich kann der Anbau zusätzlicher Kulturen wie Avocado oder geeigneter Nutzholzarten den Kleinproduzentenfamilien sogar weitere Einkommensmöglichkeiten eröffnen. Ziel sind produktive Bio Kakaobestände, in denen Kakao, Schatten- und Nutzbäume nebeneinander bestehen und zu einer nachhaltigen Lebensgrundlage für die Kleinbauernfamilien beitragen.

Neben Kakao werden in der Baumschule von FUNDOPO auch Schatten- und Nutzbäume aufgezogen…

… darunter verschiedene Nutzpflanzen …

… wie Avocados für vielfältige Agroforstsysteme auf den Kakaoparzellen

