Ab Juli 2025 gelten EU-weit neue Grenzwerte für Nickel in bestimmten Lebensmitteln, darunter Schokolade und Kakaopulver. PRONATEC hat frühzeitig umfassende Analysen und produktspezifische Anpassungen vorgenommen, um eine gesetzeskonforme Verfügbarkeit ihrer Produkte zu gewährleisten. Lesen Sie hier, welche Herausforderungen die Umsetzung der neuen Regelung mit sich bringt.

Jun 12, 2025

Mit der Verordnung (EU) 2024/1987 legt die Europäische Union verbindliche Nickel-Höchstgehalte in einer Reihe von Warengruppen fest. Es handelt sich dabei um eine Änderung einer bestehenden Verordnung – mit wesentlichen Auswirkungen auch auf unsere Branche. Für Schokolade gelten je nach Gesamtkakaogehalt unterschiedliche Grenzwerte. Für Kakaopulver ist der neue Höchstwert nur bei bestimmten Verwendungszwecken relevant, nämlich dann, wenn es direkt oder als Zutat in gesüsstem Kakaopulver wie Trinkschokolade an den Endverbraucher verkauft wird. Die neuen Grenzwerte sind ab dem 1. Juli 2025 gültig, wobei nicht das Produktionsdatum ausschlaggebend ist, sondern das Datum der Inverkehrbringung des Lebensmittels.

Interne Koordination im Umgang mit neuen Grenzwerten

Als Unternehmen, das gesetzliche Entwicklungen kontinuierlich beobachtet, hat sich PRONATEC frühzeitig mit dem Thema Nickelwerte auseinandergesetzt. Wir legen Wert darauf, unser durchgängiges System zur Qualitätssicherung auch unter wachsenden Anforderungen aufrechtzuerhalten. Unsere Strategie umfasst Aspekte und Massnahmen aus unterschiedlichen Abteilungen: Für eine sinnvolle, vorausschauende Planung müssen zum Beispiel Mengenverfügbarkeiten abgeschätzt, bestehende Lagerbestände berücksichtigt, die Bohnenverfügbarkeit aus geeigneten Ursprüngen sichergestellt, Spezifikationen angepasst und laufende Kontrakte geprüft werden. Darum kümmert sich ein eigens zusammengestelltes interdisziplinäres Team mit Mitgliedern aus Qualitätsmanagement, Einkauf und Auftragsbearbeitung.

Internal coordination in dealing with new limit values

Herausforderungen bei der geografischen Zuordnung von Nickelwerten

Die drängendsten Fragen, die es im Vorfeld zu klären galt, waren:

Challenges in the geographical allocation of nickel values
  • Gibt es eine wechselseitige Beziehung zwischen dem bereits regulierten Cadmiumhöchstwert und dem neu regulierten Nickelhöchstwert?

  • Wie verteilen sich die Nickelwerte in unseren Ursprungsländern?

  • Ist es mit den verfügbaren Kakaobohnen weiterhin möglich, alle Kakao-Produkte in ausreichender Menge und mit sämtlichen Zertifizierungen unter Einhaltung der Cadmium- und Nickelgrenzwerte herzustellen?

Zwischen dem Anteil des Schwermetalls Cadmium, dessen Gehalt seit mehreren Jahren reguliert ist, und dem neu regulierten Nickelgehalt besteht keine Korrelation. Dies bedeutet, dass Kakaobohnen mit einem tiefem Cadmiumgehalt nicht zwingend einen tiefen Nickelgehalt aufweisen. Auch lagen zu Beginn nur wenige Daten zum Nickelgehalt der unterschiedlichen Anbaugebiete vor. Ein Grund mehr für uns, rechtzeitig zu handeln und früh in umfangreiche Analyseprozesse zu investieren.

Frühzeitige Risikoabschätzung der Ursprungsländer

Erste Auswertungen Ende 2024 zeichnen ein durchmischtes Bild, stimmen uns aber positiv: Obwohl die Nickelgehalte in der Dominikanischen Republik, einem unserer wichtigsten Ursprungsländer, vergleichsweise hoch ausfallen, gibt es dort auch bestehende Anbaugebiete mit tiefen Nickel- und Cadmiumgehalten. Ebenfalls zuversichtlich stimmt uns, dass diese Anbaugebiete alle gewünschten Zertifizierungen aufweisen. In Peru ist grundsätzlich weniger Nickel vorhanden, dafür sind die Cadmiumwerte höher. Ebenfalls tief sind die Nickelwerte in Sierra Leone. Weitere Bohnenanalysen bestätigen die ersten Messresultate.

Early risk assessment

Optimale Mischverhältnisse dank fundierter Datengrundlage

Um eine verlässliche Basis für die künftige Verfügbarkeit unserer Kakao-Halbfabrikate zu schaffen, haben wir seit Juni 2024 umfangreiche Analysen durchgeführt. Seither wird jedes Kakaobohnen-Lot auf seinen Nickelgehalt untersucht, mittlerweile liegen weit über 300 Messwerte vor. Diese Datengrundlage erlaubt es uns, gezielt optimale Mischverhältnisse für die Kakaopulverherstellung in unserer Produktionsanlage in Beringen zu berechnen.

Seit September 2024 werden zudem die Nickelwerte sämtlicher produzierten Kakaomassen und Kakaopulver erhoben. Aufgrund der mittlerweile umfangreichen Datenbasis können wir sicherstellen, dass all unsere Produkte, für die die neuen regulatorischen Vorgaben gelten, die Nickel-Grenzwerte auch einhalten – von Kakaopulver über Kuvertüre bis zu Schokolade.

Volle Transparenz durch chargenbasierte Analyse und Deklaration

Die neue EU-Nickel-Verordnung betrifft bei PRONATEC in erster Linie Kakaopulver. Kakaomasse kann zwar Nickel enthalten, unterliegt gemäss den regulatorischen Vorgaben jedoch keinen gesetzlichen Grenzwerten. Unabhängig davon haben wir uns dazu entschieden, die Kakaomasse aus unserer eigenen Produktion standardmässig zu analysieren, um unseren Kunden eine zuverlässige Basis für die Weiterverarbeitung zu bieten. Jede Charge und jede Lieferung von Kakaomasse sowie Kakaopulver wird von einem Analysezertifikat begleitet, das den jeweiligen Nickelgehalt ausweist. Bei unserer Kuvertüre und Schokolade verifizieren wir die Konformität mit den gesetzlichen Vorgaben durch regelmässige Stichproben.

«Als absehbar war, dass es regulatorische Nickel-Grenzwerte geben wird, haben wir frühzeitig mit der systematischen Datenerhebung begonnen. Das verschafft uns heute klare Vorteile: Wir können unseren Kunden weiterhin Produkte liefern, die alle gesetzlichen Vorgaben erfüllen.»

Samuel Hanimann, Leiter Qualitätsmanagement PRONATEC

Quality Assurance nickel regulation